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H. Kissinger, F. Zakaria, N. Ferguson, D. Li: Wird China das 21. Jahrhundert beherrschen? Eine Debatte. Pantheon, München 2012. 107 S., 9,99 Euro

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Superstar China

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Überall herrscht eine regelrechte China-Phobie. Unzählige Bücher schüren sie - doch zumindest einen Skeptiker gibt es. Henry Kissinger, ehemaliger US-Außenminister, zweifelt an dem dauerhaften chinesischen Vormarsch. Es bleibt die Frage: Wer wird das 21. Jahrhundert dominieren?

Die Japan-Angst des Westens ist Geschichte. Längst hat sie Platz gemacht für eine China-Phobie. Unzählig sind die Bücher, die diese Furcht nähren und den scheinbar unaufhaltsamen Aufstieg des riesigen Reiches nicht nur im Sinne wirtschaftlicher Konkurrenz, sondern auch einer Weltmacht im 21. Jahrhundert beschreiben. Davon hebt sich eine Debattenschrift ab, deren Herausgeber die gängige Behauptung mit einem Fragezeichen versehen: „Wird China das 21. Jahrhundert beherrschen?“.

Der frühere US-Außenminister Henry Kissinger, selbst ind en 70er-Jahren an der außenpolitischen Öffnung gegenüber China beteiligt, übernimmt gemeinsam mit Fareed Zakaria, Leitender Redakteur beim Magazin Time, die Rolle des Skeptikers. Ihre Hauptthese: Geschichte verläuft nicht linear, wie das Beispiel Japans mit seiner Dauerkrise nach dem Aufstieg zeigt. Wenn heute ein Land aufsteigt, heißt dies nicht, dass dies dauerhaft so weiter geht. Er habe großen Respekt vor den großen Leistungen Chinas, betont Kissinger. „Aber hier geht es um die Frage, ob China das 21. Jahrhundert beherrschen wird. Ich würde sagen, dass China in diesem Jahrhundert mit gewaltigen innenpolitischen Problemen konfrontiert werden und vor allem mit seiner unmittelbaren Umgebung zu tun haben wird.“

Die Gegenposition vertreten der Harvard-Historiker Niall Ferguson und der chinesische Ökonom David Daokui Li, Topberater der chinesischen Zentralbank. „In achtzehn der vergangenen zwanzig Jahrhunderte war China die mit Abstand größte Volkswirtschaft der Welt“, betont Ferguson. Als Autor eines Buches zum Niedergang des Westens verweist er zudem auf Faktoren, die den Aufstieg der asiatischen Großmacht relativ zu Europa und Nordamerika begünstigen könnten. Die Finanz- und Schuldenkrise der reichen Nationen nennt der Wirtschaftshistoriker ebenso wie eine politische und moralische Krise, die er diagnostiziert.

Das schmale Buch ist die Mitschrift einer live geführten Debatte, zu der die Stiftung des kanadischen Unternehmers Peter Munk nach Toronto eingeladen hatte. Sie spiegelt die angelsächsische Debattenkultur wider, die vom harten, knackigen Schlagabtausch und der Freude an pointierten Formulierungen geprägt wird.

Spannend wird die Lektüre, weil alle vier Denker die Lust an der Zuspitzung mit Tiefgang im Denken und klarer Argumentation verbinden. Das Lesen lohnt sich für alle, die sich für eine leicht eingängigen und doch nicht oberflächliche Einführung in das Thema interessieren und die offen sind für unterschiedliche Positionen.

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