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Brief an die Leser

Warum wir Holocaust-Leugner aus unserem Forum verbannen

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Wenn wir die Freiheit der Meinung im Netz wollen, müssen wir selbst einen Beitrag dazu leisten. 

Am Donnerstag haben unsere Community-Manager einen Leser gesperrt, der auf unserer Internetseite immer wieder durch Kommentare aufgefallen war. Zum Mord an Regierungspräsidenten Walter Lübcke merkte er an, dass eine rechte Gesinnung nicht nachweisbar sei. Das sei eine „Fake News“ und „linke Hetze“. Nach zahlreichen Ermahnungen und entfernten Beiträgen löschten die Kollegen einen letzten Kommentar von ihm zum Holocaust: „War vielleicht hartherzig, aber man muss den Hintergrund wissen. Dann versteht man das.“ Daraufhin wurde er gesperrt und ihm wurden die Schreibrechte in den Kommentaren entzogen.

Ich bin persönlich gut auffindbar im Netz, da ich den direkten Austausch mit den Lesern liebe. Auch dieser Nutzer fand meine E-Mail-Adresse (sie steht unter jedem Artikel) und wandte sich persönlich an mich. Es war eine wirre E-Mail voller Beschimpfungen in Richtung des Community-Managements, der Frankfurter Rundschau und natürlich auch Beschimpfungen gegen mich persönlich. 

In seiner Mail an mich kam auch dieser Satz vor, den wir für die Artikelversion von den wichtigsten Rechtschreibfehlern befreit haben: „Kleiner Tipp. Seien sie vorsichtig dass sie nicht, wenn die Blauen drankommen man sie ergreift und in ganz tolle Um-Erziehungs-Lager steckt.“

Beleidigungen und Bedrohungen im Netz sind nichts Neues

Nun sind Beleidigungen und Bedrohungen im Netz nichts Neues. Wir nutzen diesen Vorfall aber, um die Netzkultur zu beschreiben und klar zu machen, die wir uns für die Frankfurter Rundschau wünschen.

Bis heute sind wir einige der wenigen Nachrichten-Seiten im Internet, die noch Kommentare unter Artikeln erlauben. Bei manchen Themen ist es aber auch uns nicht mehr möglich, Leserbeiträge zuzulassen, da wir sonst mit – zum Teil durch automatisch im Web generiertem – Hass in einer Fülle konfrontiert werden, die unser System lahmlegen würde. 

Die Frankfurter Rundschau lässt weiterhin Kommentare zu 

Wir lassen aber bei der Mehrzahl an Beiträgen Kommentare zu und investieren dort in Moderation durch unser Community-Management, damit strafrechtlich relevante Inhalte gar nicht erst veröffentlicht werden oder schnellstmöglich verschwinden. Und damit die Leser sich nicht persönlich angreifen, sondern eine Debattenkultur gepflegt wird.

Die Frankfurter Rundschau ist glasklar in ihrer linksliberalen Haltung. Diese Erkennbarkeit führt zu Reaktionen und Unterstützung. Das finden wir großartig. 

Meinungsfreiheit im Netz ist eine Aufgabe für uns alle

Wir erhalten kluge und durchdachte Leserbriefe, manche Debatten unter den Nachrichtenbeiträgen sind sehr lesenswert. Doch inzwischen wuchert so manches in eine falsche Richtung, manche Debatte wird stereotyp und ohne die Fähigkeit des aktiven Zuhörens ritualisiert gepflegt.

Es ist Zeit kurz ein- und auszuatmen und einen Moment innezuhalten: Wenn wir die Freiheit der Meinung im Netz wollen, müssen wir selbst einen Beitrag zur Debattenkultur leisten. In jedem Kommentar, in jeder Veröffentlichung. Wir freuen uns auf die Diskussion mit Ihnen und vertrauen Ihnen, dass Sie die richtigen, respektvollen Worte darin finden. 

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