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Streitbare Thesen

  • VonDaniel Haufler
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Historiker Simms plädiert für eine wehrhafte EU.

Der irische Historiker Brendan Simms ist mit „Kampf um Vorherrschaft. Eine deutsche Geschichte Europas 1453 bis heute“ bekannt geworden. Darin folgt er zwei Ideen. Zum einen werde die Geschichte Europas stets durch den Kampf um Hegemonie und ihre Abwehr angetrieben. Zum anderen habe sich dieser Kampf im Wesentlichen in, um oder gegen Deutschland ereignet. Keine Macht erreichte eine Hegemonie, da sich stets eine schlagkräftige Koalition gegen sie stellte. Im Kalten Krieg war Deutschland in Ost und West eingehegt. Für Europa sei offen, ob es den Weg des Römischen Reiches gehe oder eine stärkere Einheit finde.

In diesem Kontext ist ein Essay zu verstehen, den Simms nun für „Die Welt“ verfasst hat. Darin begrüßt er die Zusammenarbeit des französischen Rüstungsgiganten Nexter mit dem deutschen Panzerhersteller Krauss-Maffei Wegmann. „Moderne Waffen in den richtigen Händen haben uns im Kalten Krieg die Freiheit gesichert und in den Jugoslawienkriegen der 90er Jahre Völkermord verhindert; sie stellen die Verteidigung gegen Terroristen sicher und können, das ist am wichtigsten, unsere Grenzen gegen Wladimir Putin schützen.“ Die neue Abschreckungsaufgabe an der Ostgrenze bedeute, dass wir in Abkehr von der Ausrichtung auf „komplexe Notfälle“, die in den vergangenen 20 Jahren eine Konzentration auf Kommandotruppen mit sich gebracht habe, wieder das Modell des klassischen Landkrieges in Betracht ziehen müssten, für das das deutsche Rüstungsprofil, besonders die Panzerherstellung, wie geschaffen sei.

Diesen Gedanken vorangeschickt, „ist der erkennbare europapolitische Aspekt ausschlaggebend. Rüstungskooperation ohne eine vollständige politische Union ist sinnlos und könnte Europa tatsächlich in die Selbstentwaffnung treiben, weil rasch mobilisierbare Militärkapazitäten der nationalen Entscheidungsfindung entzogen und einer Zwischenebene zugeschlagen werden, in der sie wirkungslos bleiben könnten. Die größte Nachfrage nach gepanzerten Fahrzeugen besteht absehbar in den östlichen EU-Mitgliedsstaaten, um den russischen Expansionismus zu kontern.“

Simms beklagt, dass es keinen Mechanismus gebe, „um die wirtschaftliche Kapazität der EU (…) zur Verteidigung der Außengrenzen in den Ländern der Peripherie nutzbar zu machen. Wenn also das militärische Potenzial Deutschlands und Frankreichs und überhaupt der Euro-Zone einzeln und gemeinsam mobilisiert werden soll, brauchen wir eine einheitliche Verteidigungspolitik und eine einheitliche Armee“. Nur die politische Union der Euro-Zone werde uns die Legitimität und Spielräume für die Finanzierung einer Wiederaufrüstung geben, die wir für die Verteidigung unserer Werte und unserer Grenzen brauchten, analysiert Simms so kühl wie streitbar.

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