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Macht Stimmung gegen die GroKo: Kevin Kühnert.

Kevin Kühnert

Die Stinkefinger-Tradition der SPD

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Juso-Chef Kevin Kühnert hat den obligatorischen SPD-Stinkefinger schon mal drauf. Eine andere Sache muss er allerdings noch lernen. Unsere Glosse.

Eigentlich ist es ja ein gutes Zeichen, wenn die SPD bei allem Gestreite um die GroKo auch mal Geschlossenheit beweist. Wenn Juso-Chef Kevin Kühnert der CDU im SZ-Magazin den Stinkefinger zeigt, dann reiht er sich damit nämlich in eine prominente Riege von Stinkefinger-Zeigern in der SPD ein.

Im Jahr 2000 begründete der damalige NRW-Ministerpräsident Wolfgang Clement die sozialdemokratische Tradition mit einer eindeutigen Geste als Antwort auf die unverfängliche Frage von Jugendlichen: „Wer bist’n Du?“ Peer Steinbrück hielt den Stinkefinger als sozialdemokratischer Kanzlerkandidat im Jahr 2013 für einen prima Debattenbeitrag, und das SZ-Magazin gab ihm insofern Recht, als es das Bild auf die Titelseite hob. Spontaner fuhr wohl Sigmar Gabriel 2016 den Mittelfinger aus, als pöbelnde Neonazis die Familie des damaligen SPD-Chefs beleidigten und ihn als Volksverräter beschimpften.

Kevin Kühnert ist nur der zweitbeste

Dass es jetzt auch für Kühnert zum Kanzlerkandidaten reicht wie damals bei „Pannen-Peer“ Steinbrück, ist jedoch fraglich. Glaubt man einem Tweet von SZ-Redakteur Michael Ebert, zeigt der Juso-Chef nur den „zweitbeste[n] SPD-Stinkefinger in der Geschichte des @szmagazins“. Man muss Kühnert aber zugutehalten, dass er seine eigene Nische in der Stinkefinger-Tradition findet: den Ansatz des Fingers im lasziven Schmollmund versenkt, die Backen aufgeblasen, insgesamt eher gelangweilt als empört. Die Mimik passt wie die Faust aufs Auge (oder eben: wie der Finger in den Schmollmund) zur vorausgegangenen Frage: „In CDU-Führungsrunden nennt man Sie offenbar den ‚niedlichen Kevin‘. Einverstanden?“

Er provoziert auch in Richtung der eigenen Partei: Was Kevin Kühnert im Sagen-Sie-jetzt-nichts-Interview neben dem Mittelfinger sonst noch antwortet: https://t.co/riADhtNTh9 pic.twitter.com/2A5JEVoH9w

— SZ Magazin (@szmagazin)

15. Februar 2018

Vielleicht sollte der „niedliche Kevin“ nicht nur in Sachen Gestik, sondern auch verbal zu den Großen in der SPD aufschauen. Andrea Nahles etwa braucht keinen Stinkefinger, um der Union die Stirn zu bieten. „Ab morgen kriegen sie in die Fresse“, versprach die SPD-Fraktionsvorsitzende, als der Wähler noch ganz fest und naiv an eine Zukunft ohne GroKo glaubte. Mit solch markigen Sprüchen bringt man es immerhin zur angehenden SPD-Chefin, auch wenn das mit dem „in die Fresse“ in der Rückschau wohl eher als neckische Liebesbekundung gegenüber einem vertrauten Ehepartner zu verstehen war.

Das ist vielleicht die wichtigste Lektion für den rebellischen Jungspund Kühnert, wenn er irgendwann zu den ganz Großen bei den Sozialdemokraten gehören will: Für das Wesen der SPD ist die GroKo mittlerweile genauso wichtig wie der Stinkefinger.

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