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Der männliche Blick

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Von: Daniela Vates

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Auch Frauen in der Politik sollten nach ihrer fachlichen Qualifikation beurteilt werden.
Auch Frauen in der Politik sollten nach ihrer fachlichen Qualifikation beurteilt werden. © Michael Kappeler/dpa

Spitzenpolitikerinnen werden strenger bewertet als ihre Kollegen. Dabei sollte es auf die politische Arbeit und nicht auf die Wahl der Schuhe ankommen. Der Leitartikel.

Es werden da gerade wieder Mängellisten hervorgeholt, oben drauf steht der Name der Verteidigungsministerin und das Fazit wird gleich mitgeliefert: Diese Frau könne nun wirklich überhaupt gar nichts. Sekunde mal. Natürlich ist es fragwürdig, als Ministerin Familienangehörige auf Dienstreisen im Hubschrauber mitzunehmen. Es ist potenziell ungesund, bei einem Truppenbesuch in Mali in Stöckelschuhen aufzutreten. Und eine Ministerkollegin von dem Job wegzuloben, den man selbst gerne gehabt hätte, ist unkollegial. Christine Lambrecht bietet also einige Angriffsflächen.

Sie entzieht sich offenbar manch eingeübtem Mechanismus ihres Ministeriums, sie macht sich in der Öffentlichkeit rar. Das kann Sympathien kosten. Über ihre Politik sagt es nichts aus. Dass die Union immer wieder ihren Rücktritt fordert, ist der Job der Opposition.

„Das ist auch etwas, was vor allem Männer lostreten, um sich abzuarbeiten“, stellt die FDP-Politikerin Marie-Agnes Strack-Zimmermann mit Blick auf Schuhe fest. Man kann die Verteidigungspolitikerin auf Verteidigungskurs der Koalition wähnen.

Aber es ist schon so: Der männliche Blick ist in der Politik sehr präsent. Kein Wunder: Nur etwa ein Drittel der Bundestagsabgeordneten sind Frauen, so ähnlich ist das Verhältnis auch bei den Politik-Korrespondenten. Das ist ein Faktor.

Zwar echauffiert sich mittlerweile keiner mehr, wenn eine Abgeordnete in Hosen in den Bundestag kommt. Aber Angela Merkel war in der CDU erst „Kohls Mädchen“ und dann „Mutti“ – es war nicht nett gemeint. Ihre herabgezogenen Mundwinkel dienten der Bewertung der Person, bis die Raute der Kanzlerinnenhände die Aufmerksamkeit auf sich zog.

Friedrich Merz übrigens schafft es, bei Wahlsiegen vor sich hinzuschauen als müsste er gleich seinen Rücktritt verkünden. Schon mal gehört? Der frühere Verteidigungsminister Peter Struck (SPD) wandte sich bei Wissenslücken lautstark an seinen „Adju“, seinen Referenten in Uniform – es galt als sympathische Offenheit, nicht als fehlende Einarbeitung.

Und dann wäre da Saskia Esken, die SPD-Vorsitzende. Es könne nichts werden mit dieser Frau, prophezeiten die Gegner. Und wieder: Der Mund. Die Brille. Der Dialekt. Äußerlichkeiten. Es war nicht die einzige Kritik, aber sie war unüberhörbar. Esken hat sich dafür schon ziemlich lang gehalten.

Ursula von der Leyen traute sich als Verteidigungsministerin mehr als ihre männlichen Vorgänger: einen entschlosseneren Umgang mit Rechtsextremen in der Truppe und mit der einer Rüstungsindustrie, die der Bundeswehr auf der Nase herumtanzte. Aber die Generäle erwiesen sich als hochsensibel – und damit waren nicht rechtsextreme Soldaten im Fokus, sondern die Ministerin. Nach dem Rücktritt von Andrea Nahles als SPD-Chefin räumten männliche Parteikollegen ein, Frauenfeindlichkeit habe eine Rolle gespielt.

Dass Außenministerin Annalena Baerbock den alten Knochen und großen Krisen der Außenpolitik nicht staunend-schüchtern, sondern mit einer selbstbewussten Agenda begegnet, scheint manchem eine Offenbarung.

Klar, auch Frauen machen Fehler, auch Männer werden kritisiert, die Welt ist nicht schwarz-weiß und es gibt Vätermonate. Aber es gibt Folien, die sich über die Wahrnehmung legen. Es gibt Trends, die sich hinterfragen lassen. Und manch ein Bild wirkt mächtig, hat aber wenig Substanz. Eine Verteidigungsministerin muss nicht als erstes Dutzende Dienstgrade der Bundeswehr auswendig lernen. Die Form wahren lässt sich auch anders.

Entscheidend ist die Politik: der Umgang mit den Kriegsfolgen etwa oder die Modernisierung des Beschaffungswesens, wo Missmanagement Milliarden kostet. Unnötig Milliardenkosten verursachen, das wäre ein Mangel, der sich durchs Dienstgraddeklinieren nicht wettmachen ließe.

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