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Von Spitzen und Eisbergen

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Von: Norbert Mappes-Niediek

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Rechtsanwalt Dieter Böhmdorfer und FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache verkünden, dass sie das Wahlergebnis anfechten.
Rechtsanwalt Dieter Böhmdorfer und FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache verkünden, dass sie das Wahlergebnis anfechten. © imago/Eibner Europa

Die FPÖ zweifelt die Wahl an und verbreitet damit eine Weltsicht, in der Presse, Politik und Justiz sich gegen sie verschwören. Ein Kommentar.

Es sei nur „die Spitze eines Eisbergs“, was man bei der Präsidentenwahl in Österreich an Unregelmäßigkeiten habe nachweisen können: Mit seiner Behauptung hat der Anwalt der rechtspopulistischen FPÖ, immerhin ein früherer Justizminister, präzise in die Gefühls- und Gedankenwelt seiner Anhänger gezielt. Es geht nicht um falsch, am falschen Ort oder vor der Zeit ausgezählte Stimmen, die sich ja unter 4,5 Millionen auf 30 000 addieren können. Es geht vielmehr um Eisberge des Unrechts.

Man sieht sie nicht, hört sie nicht, spürt sie nicht, kann sie nicht messen. Aber sie sind auf jeden Fall riesig. Das ist die Weltsicht, die man in der FPÖ erfolgreich verbreitet. Es gibt immer eine Wahrheit hinter der Wahrheit. Lügenpresse und parteiliche Beamte haben sich hinter verschlossenen Türen geeinigt und decken alles zu. Nur hin und wieder ragt einmal aus Versehen ein Zipfelchen über die glatte Oberfläche „des Systems“ hinaus.

Auch wenn die Anfechtung der Wahl keine Chance auf Erfolg hat: Ihren Dienst wird sie tun. Die Richter können argumentieren, wie sie wollen. Am Ende werden die Hüter der neuen Gewissheiten auch die Verfassungsrichter zum großen Schweigekartell rechnen. Wenn es dann keine neutrale Instanz mehr gibt, lässt sich alles frei bestreiten: Jedes Wahlergebnis, jede Tatsache. Sogar die Uhrzeit.

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