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Die AfD will den Euro abschaffen - dabei profitiert Deutschland am meisten von der Währung.
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Die AfD will den Euro abschaffen - dabei profitiert Deutschland am meisten von der Währung.

Leitartikel zur AfD

AfD spielt mit der Euro-Angst

  • Stephan Hebel
    VonStephan Hebel
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Der Überdruss an der gemeinsamen Währung hat seine Gründe. Aber ein Ausstieg, wie die AfD ihn fordert, ginge an den Konstruktionsfehlern vorbei. Nötig ist mehr, nicht weniger Europa.

Am Samstag findet im hessischen Friedberg ein Landesparteitag der „Alternative für Deutschland“ statt. Er soll das Hauen und Stechen beenden, das sich Mitglieder der örtlichen AfD in den vergangenen Wochen geliefert haben.

Das ist vielleicht spannend, wenn man sich für die Umgangsformen in einer Organisation interessiert, deren Vizesprecher Alexander Gauland behauptet, sie repräsentiere „ein altes, lange verschüttetes nationalliberales Lebensgefühl, das weder rechts noch links ist, sondern zutiefst menschlich“. Aber politisch wichtig ist es nicht.

Auch diejenigen, die die AfD beinahe in den Bundestag gewählt hätten, dürften sich in ihrer Mehrheit kaum für die internen Querelen der Neupartei interessieren. Selbst die Anziehungskraft der national gestrickten „Alternative“ für rechte Kulturkämpfer und Islamhasser wird die Attraktivität der Partei auch für manche demokratisch gesonnenen Euroskeptiker nicht schmälern.

Denn was sie nun auch bei der Europawahl im Mai so chancenreich erscheinen lässt, das hat mit der inneren Verfassung der AfD wenig zu tun. Es ist, wenn nicht alle Umfragen täuschen, nur dieser eine Punkt: das Unbehagen am Euro.

Den Euro verteidigen

Es griffe zu kurz, den euroskeptischen Teil des Publikums einfach nur zu beschimpfen. So falsch und gefährlich die Träume vom Euro-Austritt sind, so lohnend ist es, die Motive der Überdrüssigen etwas genauer zu betrachten. Dann zeigt sich: Was viele Wählerinnen und Wähler so ärgert, auch über die AfD-Klientel hinaus, das ist nicht der Euro. Es ist dieser Euro. Es ist die Politik, die die gemeinsame Währung begleitet und prägt.

Mit anderen Worten: Wer die Skeptiker überzeugen und den Euro behalten will, wird ihn nicht nur gegen seine Verächter verteidigen müssen. Sondern vor allem gegen diejenigen, die vorgeben, ihn zu retten. Allen voran das stärkste EU-Mitglied, Deutschland.

Schon lange vor Angela Merkel sind die Bundesregierungen einen gefährlichen Weg gegangen: Sie wollten und bekamen einen europäischen Währungsraum mit nationalen Wirtschaftspolitiken, und dieses paradoxe Konstrukt konnte auf Dauer nicht funktionieren. Geld- und Wirtschaftspolitik bedingen einander: In den Wechselkursen der nationalen Währungen, in ihrer Auf- oder Abwertung spiegelten sich immer auch Unterschiede in der volkswirtschaftlichen Leistungskraft.

Genau deshalb, sagt die AfD, müsse ja nun der Euro wieder abgeschafft werden. Allerdings blendet diese Sichtweise nicht nur alles aus, was für die gemeinsame Währung spricht: Vollendet als Projekt gemeinsamer europäischer Wirtschafts- und Sozialpolitik, würde der Euro allen dienen und den Kontinent weiter einen.

Und wenn das nicht reicht, dann müssten sich gerade Nationalisten wie die AfD zumindest über etwas anderes freuen: Bisher hat Deutschland wie wohl niemand sonst vom Euro profitiert. Auf einen Schlag bekam die exportorientierte Industrie ihre Waren in harter Gemeinschaftswährung bezahlt, ohne die Risiken und die Bürokratie, die vorher mit der Umrechnung verbunden waren. Es sind übrigens die Rechnungen dafür, die Griechenland oder Spanien mit ihren Schulden bezahlten. Und die Zinsen gingen nicht selten an deutsche Banken.

Keine tragfähigen Argumente

Aber was Nationalisten erfreut haben mag, bezeichnet auch das eigentliche Problem: Es war ein „deutscher Euro“, den Europa zur Jahrtausendwende aus der Taufe hob. Und es ist dieser deutsche Euro, den Angela Merkel zu retten versucht. Das Ergebnis wird sein, dass die Krisenländer die Kredite, die sie jetzt bekommen, weitgehend zurückzahlen können. Die Lasten tragen griechische Staatsangestellte und portugiesische Studenten.

Aber wie das Modell, in dem Deutschland exportiert und der Rest auf Pump konsumiert, dann funktionieren soll, ohne wieder zu kollabieren – das behält Angela Merkel für sich. Wenn etwas erkennbar ist, das der AfD die Leute in die Arme treibt, dann ist es die berechtigte Angst, dass irgendwann auch Deutschland die Folgen spürt.

Die „Alternative für Deutschland“ liegt allerdings nicht im Nationalismus der gleichnamigen Partei. Bräche der Euroraum auseinander, dann wären die Folgen noch ungleich fataler als jede bisherige Krise. So jedenfalls die fast einhellige Meinung von Experten unterschiedlicher politischer Richtung, und wer die Antworten der AfD genauer betrachtet, findet dagegen keine tragfähigen Argumente.

Berechtigte Angst

Die „Alternative für Deutschland“ läge darin, nun endlich dem Euro eine Politik beizugeben, die den Ausgleichsmechanismus der Auf- und Abwertung durch andere Mittel ersetzt – ja, auch mit Hilfe von „deutschem Geld“, vergleichbar dem innerdeutschen Finanzausgleich. Das will Angela Merkel nicht, das steht auch nicht in ihrem Koalitionsvertrag mit der SPD.

Ja, wer Angst bekommt angesichts der nicht wirklich beendeten Euro-Krise, hat dafür Gründe. Aber wir brauchen nicht weniger Euro, sondern mehr. Und weil wir keine Europäer haben, die mutig dafür kämpfen, landet die Zustimmung vieler Skeptiker bei der AfD. Ob die sich nun intern ein bisschen streitet oder nicht.

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