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Wer wird das Rennen machen? Gesine Schwan, Ralf Stegner, Simone Lange, Norbert Walter-Borjans, Alexander Ahrens, Saskia Esken, Karl-Heinz Brunner, Klara Geywitz, Nina Scheer, Olaf Scholz, Karl Lauterbach, Dierk Hirschel, Hilde Mattheis, Christina Kampmann und Michael Roth (von links nach rechts).

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SPD-Vorsitz: Wer schlägt Olaf Scholz?

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Das Rennen um den SPD-Vorsitz ist eröffnet, und die Stimmen, denen die meisten Kandidaten nicht prominent genug waren, sind leiser geworden. Gut so! Fehlt nur noch, dass sich ein linkes Duo erfolgreich gegen Olaf Scholz profiliert.

Die Häme ist manchen im Halse steckengeblieben. Was war vor Beginn der Bewerbertour nicht alles zu hören und zu lesen gewesen über das Wettrennen um den SPD-Vorsitz: zu viele, zu unbekannt, „dritte Reihe“ – natürlich abgesehen von Olaf Scholz, der in manchen Berichten schon wie der Messias dastand, nur weil er in der Bundesregierung Minister ist und die meisten ihn halt irgendwie kennen. Nach der ersten Regionalkonferenz am Mittwoch in Saarbrücken hat sich der Wind schon ein wenig gedreht.

Dass Scholz als Groko-Befürworter die SPD auf genau dem Weg retten will, der sie in die Krise geführt hat, drohte in der öffentlichen Debatte im Vorfeld schon fast unterzugehen. Und Scholz blinkte sicherheitshalber schon ein bisschen nach links, Stichworte Klimaschutz und Vermögenssteuer. Aber nun, bei der ersten Runde des Schaulaufens um den Parteivorsitz, machte die Basis keineswegs den Eindruck, als würden dem Finanzminister seine Avancen an den linken Flügel einfach so abgenommen. 

SPD-Vorsitz: Dynamik der echten Erneuerung 

Die Chance, dass das öffentliche Rennen um den Parteivorsitz zu einer Dynamik der echten Erneuerung führt, scheint in Saarbrücken also eher größer als kleiner geworden zu sein. Ziemlich überzeugend sind offenbar einige derjenigen aufgetreten, die nicht glauben, dass der Neustart der Sozialdemokratie mit der Gefangenschaft in der großen Koalition so einfach vereinbar ist. 

Da ist zum Beispiel Gesine Schwan, die sich zwar im Duett mit Ralf Stegner nicht gegen die Groko positioniert, aber trotz ihres hohen Alters einen erfrischenden Reformwillen ausstrahlt. Da sind Nina Scheer und Karl Lauterbach, die sich am deutlichsten für den Ausstieg aus der Merkel-Regierung einsetzen. Da ist der steuerpolitisch profilierte Norbert Walter-Borjans mit der Digital-Expertin Saskia Esken, und da ist das ebenfalls eher linke Duo Christina Kampmann/Michael Roth, das in Saarbrücken mit den besten Eindruck hinterließ.

SPD-Vorsitz: Erster Schritt zur Neuprofilierung möglich

Auf zweierlei wird es jetzt ankommen: Erstens darauf, ob es dem Scholz-Flügel gelingt, so viel Druck auf die Basis auszuüben, dass die Angst vor Neuwahlen das Bedürfnis nach Erneuerung übersteigt. Vor eineinhalb Jahren, beim Eintritt in die insgesamt dritte Koalition mit Merkel, hat das noch funktioniert. Gelänge es wieder, würden wohl Scholz und seine Partnerin Karla Geywitz oder Petra Köpping und Boris Pistorius das Rennen machen – und die SPD hätte eine Niederlage erlitten. 

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Zweitens aber wird entscheidend sein, ob sich bei den Erneuerern ein Duo stark und charismatisch genug präsentiert, um erstmals seit Groko-Zeiten dem linken Flügel zu einem Sieg zu verhelfen. Wahrscheinlich werden die am Mittwoch ausgeschiedenen Simone Lange und Alexander Ahrens nicht die letzten sein, die sich aus diesem Kreis verabschieden. Das wäre auch gut so: vorausgesetzt, die Verkleinerung des Feldes führt zu einer echten Richtungsentscheidung.

Käme es so, dann hätte die SPD alle widerlegt, die dem Publikum weismachen wollen, Erneuerung ginge ausgerechnet mit altbekannten Gesichtern am besten. Und der erste Schritt zur Neuprofilierung einer Traditionspartei wäre getan. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.

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