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Spardruck ist kein Sachzwang

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Von: Stephan Kaufmann

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Menschen in sozialen Berufen verdienen deutlich weniger als andere mit einer ähnlichen Qualifikation.
Menschen in sozialen Berufen verdienen deutlich weniger als andere mit einer ähnlichen Qualifikation. © imago/JOKER

Sozialbeschäftigte erhalten im Schnitt 533 Euro weniger als Beschäftigte in gleichwertigen Berufen. Das Soziale ist wohl auch der einzige Sektor, der unter seiner Expansion leidet. Ein Kommentar.

Wer sich berufsmäßig um Arme, Alte, Kranke und Kinder kümmert, verdient meist schlecht. Das weiß, wer einen solchen Job hat, gerade in den Bereichen Gesundheit und Pflege. Eine neue Studie zeigt: Sozialbeschäftigte erhalten im Schnitt 533 Euro weniger als Beschäftigte in gleichwertigen Berufen.

Warum ist das so? Nicht, weil die Leistungen der Beschäftigten oder ihre gesellschaftliche Bedeutung geringer wären. Nicht wegen niedrigerer Qualifikationsniveaus oder geringerer Anforderungen. Und nicht, weil die Menschen in der Fürsorgearbeit schlicht zufrieden wären mit dem bisschen, was sie verdienen.

Damit bleiben als Gründe nur die Besonderheiten der Branche selbst: Der Bereich Soziales befasst sich mit der Not. Hier winken keine Marktanteilsgewinne oder rasante Produktivitätssteigerungen. Von öffentlicher Seite besteht daher permanenter Spardruck. Gewinne, so Dienstleister sie denn erwirtschaften wollen, erfordern niedrige Einkommen.

Zudem ist das Soziale der wahrscheinlich einzige Sektor, der unter seiner Expansion eher leidet – mehr Not führt zwar zu mehr Nachfrage nach seinen Dienstleistungen. Während aber in der Industrie mehr Nachfrage höhere Preise, mehr Umsatz und steigende Löhne nach sich zieht, wächst im Sozialbereich bloß der Spardruck. Dass dies so ist, dass die Gesellschaft sich die Fürsorgearbeit so wenig kosten lässt, ist allerdings kein Sachzwang. Sondern eine Entscheidung.

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