Kommentar

Soziale Schieflage

  • schließen

Es ist zwar gut, dass die Kinder pflegebedürftiger Eltern entlastet werden. Doch die Pläne der großen Koalition sind ungerecht - ein Kommentar.

Die Kinder pflegebedürftiger Eltern werden entlastet. Wer wollte etwas dagegen sagen, schließlich steigt durch die wachsende Zahl von Pflegebedürftigen die Wahrscheinlichkeit, dass man selbst von diesem Gesetzesplan der großen Koalition profitieren wird. Trotzdem – oder vielleicht gerade deshalb – ist das Vorhaben alles andere als sozial. Man muss es sich auf der Zunge zergehen lassen: Nur wer mehr als 100 000 Euro brutto im Jahr verdient, muss sich an den Sozialhilfekosten beteiligen – pro Kind wohlgemerkt. Bezahlt wird das alles aus Steuermitteln. Die schwer arbeitende Pflegekraft subventioniert also die beiden Kinder einer von ihr betreuten Heimbewohnerin, die mit gutbezahlten Jobs zusammen 190 000 Euro jährlich verdienen. Gerecht ist das nicht.

Auch aus einem anderen Grund hat der Plan eine soziale Schieflage: Über 70 Prozent der Pflegebedürftigen werden zu Hause gepflegt. Was die Pflegekasse nicht zahlt, müssen die Angehörigen in diesem Fall allein aufbringen – durch die eigene Arbeitskraft oder auch eigenes Geld. Wo bleibt eine Belastungsgrenze für diese Menschen?

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare