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Ein Sozi für Tönnies: Umverteilung mal anders

  • Markus Decker
    vonMarkus Decker
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Der ehemalige Chef der Partei, die Ausbeutung abschaffen will, verdingt sich bei einem Mann, der seine Leeute ausbeutet: Besser kann man sich nicht diskreditieren. Der Kommentar.

Erst am Mittwoch sorgte Gerhard Schröder im Bundestag für Aufsehen. Der langjährige Kanzler und ehemalige SPD-Vorsitzende trat als Lobbyist des Pipelineprojekts Nord Stream 2 auf. Dort ist der 76-Jährige Präsident des Verwaltungsrats.

Tags drauf folgte eine jener Nachrichten, die man nicht für möglich halten sollte: Sigmar Gabriel, einer der Nachfolger Schröders im SPD-Vorsitz, arbeitete gegen ein sattes Honorar für Clemens Tönnies – den Mann, der unter Ausnutzung schlecht bezahlter und unter elenden Bedingungen arbeitender Menschen reich geworden ist.

Gabriel ist nach Schröder und dem einstigen SPD-Kanzlerkandidaten Peer Steinbrück der dritte Spitzensozi, für den gilt: Wenn es darum geht, die sozialdemokratische Idee der Umverteilung Wirklichkeit werden zu lassen, fangen sie gern bei sich selber an.

Gabriel nahm als früherer Chef einer Partei, deren Ziel die Beendigung von Ausbeutung ist, Geld von einem, der als Ausbeuter schlechthin gilt. Wirkungsvoller kann man die Sozialdemokratie, aber vor allem sich selbst, nicht diskreditieren.

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