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Die Care-Arbeit muss zwischen Männern und Frauen gerechter verteilt werden.

Gastbeitrag

Sorgearbeit sollte anders verteilt werden

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Zwischen Frauen und Männern werden Pflichten langsam fairer aufgeteilt. Die Politik kann diesen Wandel noch beschleunigen.

Viele kennen den Equal Pay Day, der Jahr für Jahr im März auf die Verdienstlücke zwischen Frauen und Männern hinweist. Am 29. Februar gab es einen weniger bekannten Aktionstag, der jedoch nicht weniger wichtig ist: den Equal Care Day.

„Care“ steht für Sorgearbeit, sprich Kinder betreuen, bedürftige Erwachsene pflegen und tägliche Haushaltstätigkeiten wie Kochen, Putzen, Waschen oder Einkaufen erledigen. Diese Arbeit wird entweder von professionellen Dienstleistern erbracht oder – zu einem erheblichen Teil – unentgeltlich in den privaten Haushalten. Und das, darauf weist der Equal Care Day schließlich hin, zu einem deutlich größeren Anteil von Frauen als von Männern.

Unbezahlte Care-Arbeit ist in Deutschland also ungleich verteilt: Laut Sozio-oekonomischem Panel (SOEP), einer repräsentativen Haushaltsbefragung, leisten Frauen derzeit gut 60 Prozent der privaten Sorgearbeit in Deutschland. In Paarhaushalten liegt der Anteil, den Frauen von dieser Arbeit erledigen, sogar bei etwa zwei Dritteln.

Belastungen durch Sorgearbeit beschränken die Möglichkeiten, eigene berufliche Ambitionen zu verfolgen. Zeit, die in unbezahlte Haushaltstätigkeiten investiert werden muss, ist ein Grund dafür, dass Frauen im Vergleich zu Männern nach wie vor seltener erwerbstätig sind oder öfter in Teilzeit arbeiten. Das wirkt sich auf die Berufserfahrung, den weiteren Karriereweg und schließlich auf das Gehalt und die Altersvorsorge aus – womit wir wieder bei der Verdienstlücke, dem Gender Pay Gap, wären.

Aber bleiben wir bei der Sorgearbeit: Der deutschen Volkswirtschaft entgehen wertvolle Ressourcen, wenn Frauen einen Großteil ihrer Zeit für Hausarbeit und Kinderbetreuung aufwenden. Angesichts eines demografisch bedingt rückläufigen Arbeitskräfteangebots kann dies nicht länger ignoriert werden.

Es geht bei dem Thema nicht darum, alte ideologische Debatten darüber zu führen, wer im Haushalt kocht oder wäscht und inwieweit Menschen die Betreuung ihrer Kinder, Partner oder Eltern aus der Hand geben sollten. Sondern es sollte das Bewusstsein dafür geschaffen werden, dass in diesem Bereich handfeste ökonomische Effizienzreserven zu mobilisieren und Verteilungsungerechtigkeiten zu beseitigen sind.

Erstens kann die Belastung der Haushalte mit Sorgearbeit reduziert werden. Beispielsweise der Ausbau der öffentlichen Kinderbetreuung hat dies in den vergangenen Jahren gezeigt. Der Zeitaufwand für Frauen bei der Kinderbetreuung ist gesunken, die Erwerbsbeteiligung von Müttern nachweislich gestiegen.

Kai-Uwe Müller leitet die Nachwuchsgruppe Zeitpolitik in der Abteilung Staat am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin).

Aktuelle Politikansätze, das Angebot, die Bezahlung und die Arbeitsbedingungen in der professionellen Altenpflege zu verbessern, werden für die Vereinbarkeit von Erwerbs- und Sorgearbeit mit steigender Lebenserwartung immer wichtiger.

Hingegen haben Reformen bei Mini- und Midi-Jobs den Markt haushaltsnaher Dienstleistungen jenseits der Schattenwirtschaft kaum belebt. Regulär sind solche Dienstleistungen in Deutschland nach wie vor unterentwickelt, teilweise sozial unerwünscht und weiterhin stark vom finanziellen Spielraum der nachfragenden Haushalte abhängig.

Zweitens kann die Care-Arbeit zwischen Männern und Frauen gerechter verteilt werden. Lange bestehende Strukturen aufzubrechen, ist kein hoffnungsloses Unterfangen. Das Elterngeld zeigt, dass sich tradierte Rollenzuschreibungen ändern können: Finanzielle Anreize bewegen Männer dazu, Elternzeit zu nehmen und sich auch im Anschluss an diese nachhaltig an der Betreuung ihrer Kinder zu beteiligen.

Das Argument, Kleinkinder könnten nur von ihrer Mutter betreut werden, gilt schließlich als überholt. Auch klassische Hausarbeiten wie Putzen und Einkaufen lassen sich nicht nur mit Frauenhänden erledigen.

Der gesellschaftliche Wandel hin zu gleichen Rechten und Pflichten schreitet voran, könnte aber beschleunigt werden. Die Politik kann diesen Prozess stärker unterstützen, als sie es derzeit tut. Eine Möglichkeit wären Reformen im Steuersystem, etwa beim Ehegattensplitting oder der beitragsfreien Mitversicherung von Ehepartnerinnen.

Die erweiterte steuerliche Absetzbarkeit haushaltsnaher Dienstleitungen könnte ebenfalls geprüft werden. Mehr Arbeitszeit- und Arbeitsortflexibilität, beispielsweise durch Homeoffice, wären ein weiterer Ansatzpunkt. Frauen und Männer könnten Erwerbstätigkeit und Sorgearbeit dann besser unter einen Hut bekommen. Damit würden weitere wichtige Hürden auf dem Weg zu mehr individueller Chancengleichheit genommen.

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