Kolumne

Ein Sommer im Ideenstau

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Deutschland fährt ohne Maut in den Urlaub, die CDU entdeckt aus Angst vor denGrünen den Klimaschutz, aber der Weg in den Verkehrskollaps ist schon geebnet.

Manche Argentinier freuen sich über den Blackout, bei dem nicht nur Buenos Aires über viele Stunden ohne Strom war. Argentinien stellte schon die Fußballgötter Maradona und Messi, auch der Papst ist Argentinier, und so stieß das Land in mehreren Bereichen in die Weltelite vor. Jetzt also der Stromausfall, wie ihn in dieser Totalität bisher nur Nordamerika kannte.

Das war 2003, aber nun hat Buenos Aires auch hier aufgeholt. Zwar war Uruguay ebenfalls betroffen, aber Argentinien kommt das Verdienst zu, für die Panne verantwortlich zu sein. Man munkelt in den Avenidas von Buenos Aires, dass das Land zwischen Rio de la Plata und Antarktis durch den Stromausfall mit New York gleichziehen und damit in einem weiteren Feld den Anschluss an die Weltspitze herstellen wollte. So kann man maroden Infrastrukturen mit etwas Humor auch gute Seiten abgewinnen.

Deutschland gehört ja schon zu den führenden Industrienationen, wir brauchen solche Superlative nicht. Die Befürchtungen, dass bei uns mit dem Ausstieg aus der Atomkraft die Lichter ausgehen, sind längst widerlegt, ganz ähnlich, wie der Autoverkehr entgegen mancher Prognose nicht zum Stillstand kam, als der Katalysator eingeführt wurde. Den Stillstand des Verkehrs erreichen wir einfach dadurch, dass zu Ferienbeginn alle gleichzeitig mit Schwung Richtung Süden starten, um doch nur im Stop and Go zu landen.

Von Kampagnen wie dem „staufreien Hessen“ hört man schon länger nichts mehr. Irgendwie hat das nicht geklappt. Und jetzt darf Deutschland nicht einmal mehr die Wohnwagenkolonnen unserer nördlichen Nachbarn mit Maut belegen. Das hat Österreich uns eingebrockt, mit seiner erfolgreichen Klage vor dem Europäischen Gerichtshof.

Ein Rachefeldzug gegen Deutschland kann das nicht sein, denn schließlich hat Felix Austria sein schwarz-rot-goldenes Nachbarland vor Jahrzehnten schon bei einer Fußball-Weltmeisterschaft besiegt. Wie peinlich, dass die CSU-Verkehrsminister Dobrindt und Scheuer so lange an den Plänen festgehalten haben, obwohl es genügend fachkundige Stimmen gab, die das Scheitern voraussagten. Der EuGH hat damit auch der Kanzlerin geholfen, ihr Wahlversprechen einzulösen, dass es mit ihr keine Maut gebe.

Nun ist die Diskriminierung nicht-deutscher Autofahrer also vom Tisch, aber ein zeitgemäßes Verkehrskonzept liegt noch immer in weiter Ferne. Was für ein ideenloses Geschachere auf dem Weg in den paneuropäischen Verkehrskollaps. Die Einführung der Elektroroller ist da auch nicht der ganz große Durchbruch.

Aber mit dem Klimakonzept soll es nun zügig voran gehen. Beziehungsweise will sich die CDU-Vorsitzende im Sommer ein solches überlegen. Die ganze Welt sorgt sich um den Klimawandel, und die CDU stellt überrascht fest, dass sie dem Thema bisher nicht genügend Aufmerksamkeit gewidmet hat.

Vielleicht kommt jetzt Schwung in den politischen Prozess, weil die Grünen große Stimmengewinne verzeichnen und sogar eine/n der Ihren für die Kanzlerkandidatur ins Spiel bringen. Es riecht verdächtig nach Motivation durch Bedrohung, dass die Regierungsparteien nun ankündigen, sich künftig mehr um Klima und Umwelt zu kümmern. Man darf misstrauisch bleiben.

Jetzt brauchen wir noch einen gewieften Bundestrainer, der ein paar Fußballer der Weltspitze aufbaut, um mal wieder eine Weltmeisterschaft zu gewinnen. Papst waren wir ja schon.

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