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Kolumne: Lieber Herr Thadeusz!

Was sollte noch eine Zukunft haben?

  • VonJörg Thadeusz
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Unser Autor wünscht seiner Generation eine Zukunft - und sich zugleich in seine Jungend zurück. Die wöchentliche Kolumne von Jörg Thadeusz.

Ich wünsche meiner Generation eine Zukunft. Die in den 60er-Jahren geborenen Menschen haben Ähnlichkeit mit der Tierwanderung durch die Serengeti. Wir sind echt viele. Einschüchternd viele, die gemeinsam einem ungewissen Schicksal entgegentrotten. Das Wichtigste auf dem Weg für uns, wie für die Gnus, Antilopen und Zebras: das Trinken.

Ich habe mich 1968 mit mehr als vier Kilo und keinen Haaren in die Herde eingereiht. Wir sind Leute, die Stefan Derrick hinterherjammern. Wir beschwören Eissorten, die willfährige 24-jährige Berliner Hipster dann zu Kult erklären. Dabei geht es doch gar nicht um Brauner Bär oder Ed von Schleck. Wir möchten mit irgendeinem Eis am Kiosk stehen und wieder 13 sein dürfen. Die schlimmen Sachen der geschmacklosen Ära tragen, in der wir Teenager waren. Wieder den Begriff Petting lernen. Ansonsten aber nicht die gleichen Fehler machen wie beim ersten Start. In der Schule in den Fremdsprachen besser aufpassen. Das Studium sogar abschließen und wie der ehemalige Porsche-Chef Wendelin Wiedeking mit 30 Jahren die erste Million verdient haben. Geht nicht, wäre ja noch schöner, und womit hätten wir eine zweite Runde eigentlich verdient?

Stattdessen ist Inventur. Uns ist das Trinken schon so lange erlaubt, dass der Arzt bereits ein erneutes Verbot andeutet. Wir müssen also möglicherweise nüchtern erleben, wie der Zahn der Zeit mit Entschlossenheit nach uns fasst. In diesem Jahr sind die 1965 Geborenen dran. Das ist lange her. 1965 war noch niemand auf dem Mond. Die Beatles musizierten ungetrennt miteinander. Die Scorpions, die heute wirken, als würden sie vor jedem Auftritt aus sehr alten Stoffresten neu gefilzt, gründeten sich 1965.

In diesem Jahr haben die Menschen den Film „Doktor Schiwago“ zum allerersten Mal gesehen. Die Mitbetroffenen unter Ihnen werden sich jetzt bedrückt fragen, ob der Schiwago-Hauptdarsteller Omar Sharif eigentlich noch lebt? Die Antwort ist Ja, er feiert am 10. April seinen 83. Geburtstag.

Wer seine 50 Lebensjahre zu verdoppeln schafft, kommt zur Belohnung in die Lokalzeitung. Kann aber dann die blutjunge Lokaljournalistin nur noch schemenhaft erkennen. Ich weiß von Freunden, dass sie dieses Jahr 2015 nur kleinlaut begrüßen wollten. Einer, der lange überhaupt nichts zu seinem bevorstehenden 50. Geburtstag gesagt hatte, stieß aus: „Ich möchte aber nicht ins Heim.“

Es ist gemein, den Jugendlichen, der lieber küsst als lernt, ständig mit der Zukunft zu ängstigen, die er sich angeblich verbaut. Den 50-Jährigen sollten wir stattdessen fragen, was er sich für seine Zukunft vorstellt. Schließlich lenkt nicht mehr soviel ab. Vielleicht doch noch Klavier-Virtuose werden. Oder tischlern. Wer mit 50 eine Bäckerei auf Madeira eröffnet, der muss bis zur Rente noch 15 Jahre lang morgens sehr früh raus. Wenn ich mich erinnere, wie sich 13 Jahre Schule anfühlten, ist das mehr als eine Ewigkeit.

Allen, die sich trotzdem fürchten, könnte der geburtenstärkste Jahrgang aller Zeiten ein Vorbild sein. Die 1964 Geborenen feierten im soeben vergangenen Jahr das halbe Jahrhundert. Für sie hat die Zukunft schon begonnen, und sie können in diesem Jahr mit ruhiger Wonne 51 werden.

Jörg Thadeusz ist Moderator.

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