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CSU-Mann Markus Söder auf dem Weg ins All.

Wahl in Bayern

Söder, Marktführer in Sachen Personenkult

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CSU-Frontmann Markus Söder greift im Wahlkampfmodus nach den Sternen. Und setzt in Sachen Eigenvermarktung neue Maßstäbe. Ein Kommentar.

Am 14. Oktober wird in Bayern gewählt, und die CSU schlittert von einem Umfragetief ins nächste. Aktuell hat sie sich bei 35 Prozent eingependelt, 2013 wählten noch 47,7 Prozent die Christsozialen um den damaligen Ministerpräsidenten Horst Seehofer.

Ob die schlechten Umfragewerte ein Grund dafür sind, dass der derzeitige um Sympathiepunkte ringende CSU-Frontmann Markus Söder im Wahlkampfmodus nach den Sternen greift? Am Dienstag zumindest präsentierte er mit „Bavaria One“ die bayerische Raumfahrtstrategie, in die er mehr als 700 Millionen Euro investieren und Bayern in Sachen Raumfahrt zu Europas Nummer eins machen will. „Zukunft heißt Technologie. Bayern ist Marktführer: wir investieren in Digitalisierung, Robotik, künstliche Intelligenz, Hyperloop und Raumfahrt und entwickeln sogar Quantencomputer“, äußert Söder auf Twitter, und das wäre vielleicht nur eine Randnotiz, hätte der Ministerpräsident seine Raumfahrtpläne nicht mit seinem Konterfei im Logo präsentiert.

„Bavaria One – Mission Zukunft“ steht in der runden Rahmung geschrieben, die Markus Söders bläulich schimmerndes Porträt harmonisch umschmeichelt. Im Hintergrund funkeln die Sternlein, und hätte der Franke nicht bereits sein ausgeprägtes Ego in die Öffentlichkeit getragen, man könnte meinen, das Satiremagazin „Titanic“ hätte Söders Twitter-Account gehackt.

Mission-Zukunft-Söder und Air Force One

„Bayern ist Marktführer in Sachen Zukunft“, heißt es weiter auf seiner Facebook-Seite, und Söder ist Marktführer in Sachen Personenkult, möchte man hinzufügen. Denn eigene Konterfeis in den Kern einer Präsentation zu platzieren, erinnern an die Überbetonung einer Einzelpersönlichkeit beispielsweise zu Zeiten König Ludwigs des II. oder des real existierenden Sozialismus.

Ob sich „Bavaria One“ im Subtext mit Air Force One assoziieren soll und Mission-Zukunft-Söder sich entsprechend im Machtvolumen eines US-Präsidenten wähnt, ist bislang nicht bestätigt. Viele Kommentatoren weisen in den sozialen Medien aber darauf hin, dass Markus Söder eigentlich mit weltlichen Problemen genug zu schaffen hätte und die 700 Millionen Euro in sozialen Wohnungsbau oder gebührenfreie Kitas besser investiert wären.  Aber die Verteilung von oben nach unten ist die Sache der CSU ja noch nie gewesen. 

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