Kolumne

Sirius und Siesta

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Hundstage mit Rekordhitze sollten uns nachdenklich stimmen - und auf neue Ideen bringen.

Pünktlich kamen sie auch in diesem Jahr, die Hundstage, und mit ihnen die hochsommerliche Hitzeperiode. Und das mit Temperaturen, die den Deutschen Wetterdienst veranlassten, eine Hitzewarnung für ganz Deutschland herauszugeben.

E ine ganz andere Bedeutung hatten die Hundstage dagegen für die alten Ägypter. Für die jungen natürlich auch. Denn Alt und Jung im Wüstenstaat wussten, dass der Nil nun bald über die Ufer treten und fruchtbaren Schlamm mit sich bringen würde. Angezeigt wurde ihnen dies alljährlich dadurch, dass der Fixstern Sirius wieder sichtbar war. Vorher stand er zwar tagsüber am Himmel, aber die Sonne überstrahlte ihn. Während außerhalb des Niltales die ganzjährige Trockenheit und Kargheit die Landwirtschaft weitestgehend unmöglich machten, konnte mit dieser natürlichen Düngefracht an den Nilufern der Ackerbau beginnen.

Doch das ist vorbei. Nicht etwa, weil Sirius nicht mehr auftauchen würde. Vielmehr weil der Assuan-Staudamm, dessen Bau 1960 begonnen wurde, verhindert, dass dieses Jahrtausende alte System weiter funktioniert. Der Damm hält den Schlamm zurück, der Sand wird nicht mehr weggespült und das Land verödet weiter. Das Monumentalwerk ist ein Lehrbeispiel, welch negative Folgen ein Staudamm haben kann. Es darf hinterfragt werden, ob die Vorteile des Dammes seine weitreichenden Nachteile überwiegen. Die heilsbringenden Überschwemmungen wurden natürlich von der Regenzeit in der Quellregion des Nils ausgelöst und nicht vom Erscheinen des Sirius. Das Sternbild des Großen Hundes aber, dessen Hauptstern Sirius ist, gab den Hundstagen ihren Namen.

Den Griechen, fern der Nilüberschwemmungen, galt der Stern schon vor 3000 Jahren als Ankündiger des Bösen, nämlich der großen Sommerhitze. Die bringt große Waldbrände mit sich, und das nicht mehr nur in Südeuropa, sondern inzwischen auch in Deutschland. Und wo unsere Wälder nicht gleich abbrennen, leiden sie unter Trockenstress. Mit Bewässerung ist es nicht getan. Der Wald in Deutschland muss grundlegend umgebaut werden, weg von den Nadelhölzern hin zu naturnahen Laubmischwäldern. Und die Entwässerung der Böden muss aufhören. Sogar eine stärkere Bejagung der Wildbestände ist nötig, um die durch Hitze und Trockenheit schon gestressten Jungbäume vor dem Verbiss zu schützen. Waldbesitzer sehen zudem die Holzpreise auf Talfahrt, denn durch die vielen geschädigten Bäume gibt es ein Überangebot.

Großflächiges Waldsterben droht. Zu oft hört man Zyniker polemisieren, dass um 1980 schon einmal mit Warnungen vor einem Waldsterben Panik gemacht wurde. Das dann nicht eintrat. Unsinn! Damals gab es eine konkrete Ursache für das Waldsterben, den sauren Regen. Mit der Großfeuerungsanlagenverordnung und anderen Regelungen war der saure Regen relativ schnell – wenngleich gegen erheblichen Widerstand von Kraftwerksbetreibern – abgestellt und die Wälder wurden nicht weiter geschädigt. Den Klimawandel als Auslöser des jetzigen Waldsterbens stoppen wir nicht so einfach.

Wir glauben zwar nicht mehr daran, dass Sirius unser Klima bestimmt und wissen nun, dass die Hundstage mit neuen Hitzerekorden aufwarten. Sollten wir deshalb nördlich der Alpen nicht eine mediterrane Siesta einführen? Im Schatten, bei einem gekühlten Getränk ergäbe sich vielleicht die Erkenntnis, dass es bei allem Genuss mit dem unbegrenzten Wachstum so nicht weitergehen kann.

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