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"Wissen statt raunen" - so deutet Jörg Thadeusz das Auftreten von Angela Merkel.
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"Wissen statt raunen" - so deutet Jörg Thadeusz das Auftreten von Angela Merkel.

Kolumne "Lieber Herr Thadeusz!"

Sind Sie mit unserer Kanzlerin zufrieden?

  • VonJörg Thadeusz
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Unser Kolumnist Jörg Thadeusz würde der Bundeskanzlerin sein Geld, seine Wohnung und alles andere anvertrauen. Hätte es nicht einst den CDU-Männerstammtisch nicht gegeben, könnte er sie sogar wählen.

Die Männer setzten sich immer am Sonntagmittag an einen runden Tisch, um eckige Gedanken auszutauschen. Männer, die offenbar ein Gesprächsbedürfnis zusammenführte. Mit denen aber gewiss niemand sprechen wollen würde, der jemanden zum Reden brauchte. Sozialhilfeempfänger? Alle faul. Ausländer? Braucht kein Mensch. Die Weiber? Hör’ mir auf mit den Weibern. Wieder kracht eine fleischige Hand auf den Tisch. Tiefe und tiefere Glottallaute.

Wo Bier und Schnaps sich zusammenbrodelten, da saß auch irgendwo der Resonanzraum für das feucht-bassige Hohoho. Lachen ohne Humor. Mitten in den 80er Jahren, tief im Westen Deutschlands. Wo angeblich alle Menschen ihr großes Herz immer auf der Zunge tragen. Was so wahr ist, dass dieses ungute Sprachbild zusammenbrechen und den nächsten Benutzer unter sich verschütten möge.

Mit Fakten und Tatsachen hatten es die Herren nicht so. Sie vertrauten auf die Kraft ihrer Vorbehalte. Wie die blonde Pegida-Ignorantin, die am vergangenen Sonntag bei Günther Jauch offenbar zum ersten Mal von der Bürgersprechstunde von Bundestagsabgeordneten hörte.

Mein Stiefvater zapfte den lauten Männern viele Biere mit einer kunstvollen Schaumkrone, ich servierte. Unser Verhältnis war klar. Sie sind die Bedienten, wir die Bediener. Sie reden, wir lächeln. Sie sind CDU und wir irgendetwas anderes. Vor allem aber nicht CDU.

Wenn ich damals gewusst hätte, dass es diese Typen irgendwann mit einer Angela Merkel zu tun bekommen, ich hätte ihnen Freibier von meinem Taschengeld bezahlt. Niedersächsische Stiernacken, westfälische Einfaltspinsel, schwäbische Unverbesserliche, ob sie in schlaflosen Trauma-Nächten immer noch nach dem kuschligen Mief der Kohl-Jahre schnuppern?

Wenn das poltrig Gestrige durchbricht

Gelegentlich bricht es noch durch, das poltrig Gestrige, was Einzelne immer noch als konservative Haltung missverstehen. Wenn Volker Kauder im Stil eines Bierbike-Ausflüglers die Familienministerin anpöbelt. Oder wenn Wolfgang Bosbach öffentlich demonstriert, warum er sich Deutschland nur als Partykeller von Rumba-Spießern und eben nicht als Einwanderungsland vorstellen kann. Bosbach würde behaupten, dass er in „die Menschen“ hineinfühlt. Ich wähne mich mit der Bundeskanzlerin einig, wenn mir politisch viel zu viel gefühlt wird. Wissen statt raunen, so deute ich das Auftreten von Angela Merkel. Nichts sagen, vor allem, wenn einem das Richtige noch nicht eingefallen ist.

Ihre Reden sind mitunter erschütternd langweilig. Mehr gönnt sie uns nicht, denke ich dann mit schweren Lidern. Frau Merkel ist schließlich die Regierungschefin, die amüsiert daran erinnerte, wie oft man sie eine Zonenwachtel genannt hat. Sie hat sich nie dabei erwischen lassen, die Suren des fundamentalistischen Feminismus zu murmeln. Aber was ist von den Großmäulern des CDU-Andenpakts übrig geblieben, außer die Erinnerung an eine Gruppe glückloser Männchen?

Vielleicht gewinnt das sozialistische Griechenschönchen die Wahl. Sie wird ihren Spaß mit ihm haben. Ich würde dieser Frau mein Geld, meine Wohnung und alles andere anvertrauen. Hätte es damals diesen CDU-Stammtisch nicht gegeben, könnte ich sie sogar wählen.

Jörg Thadeusz ist RBB-Moderator.

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