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Bundespräsident Joachim Gauck - ein Kriegshetzer?
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Bundespräsident Joachim Gauck - ein Kriegshetzer?

Kolumne Lieber Herr Thadeusz!

Sind Sie auch ein Kriegshetzer?

  • VonJörg Thadeusz
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Bundespräsident Joachim Gauck will deutsche Soldaten vermehrt zu Einsätzen ins Ausland schicken - und löst damit eine Debatte aus. Unser Kolumnist Jörg Thadeusz macht sich Gedanken über „Peacekeepers“, „Kriegshetzter“ und „Moralprächtige“.

Uniform macht echt was her. Ich durfte kürzlich einen kompletten Vormittag unter Frauen und Männern in ihren Gala-Uniformen verbringen. Der schärfste Kontrast zu einem Besuch in einer Gemischtsauna. In der finnischen Hitze jede Variante von körperlicher Unebenheit. Unter den Uniformierten dagegen der Eindruck, dass sich beinahe jede Figur in Schneidigkeit verpacken lässt.

Als lebenslanger Zivilist bin ich Analphabet der Zeichensprache, mit der Soldaten und Polizisten auf den Schulterklappen ihren Status ausdrücken. In einem Straßenanzug und mit der ranglosen Anrede „Herr“ wird das Gefühl eigener Nichtigkeit schnell überwältigend. Andererseits wäre es veräppelnd wahrgenommen worden, hätte ich mich als Oberstabsmoderator aus der Hauptabteilung Moderne Zeiten des Rundfunks Berlin Brandenburg vorgestellt.

Mir lag aber viel daran, dass sich bei dieser Veranstaltung niemand verhöhnt fühlt. Es war der „Tag des Peacekeepers“. Es ging um zivile Berater, die im Auftrag des Auswärtigen Amts unterwegs sind. Um Polizisten, die an internationalen Missionen teilnehmen. Und um Soldaten, die in Mali oder am Horn von Afrika tun, was ihnen und ihren internationalen Kameraden UN-Beschlüsse als Aufgabe vorgeben. Von den Abkürzungen der Missionen hatte ich mitunter noch nie gehört. Peinlich für jemanden, der sich eigentlich für gut informiert hält.

Ich lernte den Polizisten Günther Hildebrandt kennen. Ein leiser, bescheidener Mann. Der im beschaulichen Osterholz-Scharmbek üblicherweise den Einsatz der Schutzpolizei organisiert. Seit Jahren lässt er sich ins Ausland schicken, um Polizisten in bedrängten Regionen der Welt auszubilden. Oder Feldwebel Alexandra Bast. Eine junge Frau, die vor ihrem Einsatz wahrscheinlich so wenig wie ich gewusst hätte, was für eine Kulturmetropole Timbuktu ist.

Duch ihre Arbeit in Dschibuti, im Südsudan und Mali haben diese Menschen demonstriert, dass den Deutschen der Rest der Welt nicht gleichgültig ist. Wobei die Rückkehrer zu Hause gerne gefragt werden, wann sie denn mit dem Quatsch endlich aufhören.

Vor die Füße gespuckt

Nicht verblüffend, dass über den ‚Tag des Peacekeepers‘ kaum irgendwo berichtet wurde. Dafür bekommen wir oft Gelegenheit, zu den Moralprächtigen aufzuschauen. Wenn sie vom Gipfel der unumstößlichen Einsicht zu uns herabscheinen. Die Linkspartei-Politiker, die reflexartig die „Militarisierung der deutschen Außenpolitik“ nahen sehen.

Dieser Mensch, der jetzt den Bundespräsidenten als „Kriegshetzer“ herabwürdigte, hat letztlich auch den Frauen und Männern in den diversen heiklen Auslandseinsätzen vor die Füße gespuckt. Auf seiner Webseite zeigt er sich mit einem kecken Arbeiterführer-Käppchen. In seinem Blog schreibt er auf, wie er gerne das Geld, das andere verdienen, verschwenden würde.

Vor 70 Jahren sind zigtausend alliierte Soldaten an den Stränden der Normandie ums Leben gekommen. Letztlich um die deutschen Hetzer mit den ganz einfachen Antworten zu vertreiben. Es ist also auch ein lebendiges Denkmal für den selbstlosen Auslandseinsatz der Soldaten von damals, wenn heute in einem freien Deutschland jeder Hergelaufene das Staatsoberhaupt beleidigen kann.

Jörg Thadeusz ist Moderator.

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