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Taliban-Sprecher Sabiullah Mudschahid.
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Taliban-Sprecher Sabiullah Mudschahid.

Leitartikel

Signal an Terroristen

  • Markus Decker
    VonMarkus Decker
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Seit die Taliban in Afghanistan die Macht übernommen haben, steigt die Terrorgefahr in Europa wieder. Das Fatale: Ihr Erfolg ist ein Zeichen an Islamisten allerorten. Der Leitartikel.

In den digitalen Netzwerken sieht man derzeit bemerkenswerte Bilder aus Afghanistan. Sie zeigen, wie Frauen für jene Freiheit demonstrieren, von der sie in den letzten 20 Jahren kosten durften und die sie jetzt nicht wieder hergeben möchten. Sie zeigen damit auch, dass der Einsatz der Bundeswehr und der anderen westlichen Streitkräfte nicht umsonst war. Zur selben Zeit hat in Frankreich der Prozess um die verheerenden islamistischen Terroranschläge in Paris begonnen, die 2015 sage und schreibe 130 Menschen das Leben kosteten. Und mit der erneuten Machtübernahme der Taliban am Hindukusch ist die Gefahr terroristischer Anschläge auch bei uns leider wieder gestiegen.

Ein Ursprung neuer Gewalt im Westen dürfte Afghanistan selbst sein. Das gilt weniger für die Taliban. Sie haben schon aus wirtschaftlichen Gründen ein Interesse an halbwegs intakten Beziehungen zu ihren bisherigen Gegnern – und dürften sich daher moderat verhalten. Nur ist eben gar nicht klar, ob die Taliban überhaupt dauerhaft die Kontrolle über das ganze Land gewinnen. Schließlich ist da noch der „Islamische Staat“ (IS), auf dessen Konto zuletzt der Anschlag am Flughafen in Kabul ging. Der IS gilt als ideologisch radikaler und methodisch brutaler. Überdies beschränkt er seinen Machtanspruch anders als die Taliban nicht auf Afghanistan.

Was aus der Perspektive der inneren Sicherheit positiv zu Buche schlägt: Potenziellen Tätern dürfte es heute schwerer fallen, nach Europa einzusickern als in den Jahren ab 2015. Denn die Grenzen sind für Flüchtlinge, mit denen sie damals bisweilen einreisen konnten, geschlossen. Weitaus größer dürfte ohnehin die Gefahr sein, die von Einzeltätern ausgeht, die entweder deutsche Staatsbürger sind oder seit längerem hier leben.

Nach Beginn des syrischen Bürgerkrieges 2011 und der Ausrufung des so genannten Kalifats durch den IS in Syrien und dem Irak entfaltete dieser eine unerhörte Faszination unter Islamisten. Auch unter ihnen gilt: Macht zieht maximal an; die Extremisten hoffen, einen Zipfel der Macht zu sich ziehen zu können – und sei es durch schreckliche Attentate. Unzählige Europäer zogen für den IS in die Schlacht und kehrten teilweise noch radikalisierter zurück. Entsprechend näherte sich die Zahl derer, die von deutschen Sicherheitsbehörden als islamistische Gefährder gelistet wurden, der 1000er-Marke.

Zwar ist die Zahl nach dem Zusammenbruch des „Kalifats“ wieder zurück gegangen. Doch nun geht von Afghanistan eine neue Faszination der Macht aus – und zwar eine, die viel nachhaltiger wirken könnte. Immerhin haben es die Taliban vermocht, den westlichen Truppen 20 Jahre lang die Stirn zu bieten und sie am Ende sogar noch aus dem Land zu vertreiben. Das ist ein Signal an alle Dschihadisten weltweit. Die Botschaft lautet: Ihr müsst nur durchhalten.

Gerade eben erst hat ein islamistischer Gefährder aus Sri Lanka in Neuseeland mit einem Messer mehrere Menschen angegriffen. Es ist genau jene Art von Anschlag, die auch hierzulande in den vergangenen Jahren dominierte – und nicht jenes vernetzte Vorgehen wie bei den Anschlägen 2015 in Frankreich. Hinzu kommt, dass das Land bis heute ein sehr viel gravierenderes Islamismus-Problem hat als Deutschland. Dabei sind Menschen, die Autos oder Küchenmesser zu Waffen umfunktionieren, überall schlecht zu kontrollieren.

Nein, Panik ist nicht angebracht. Die große Mehrheit der Musliminnen und Muslime ist – wie Menschen anderer Religionen – friedliebend. Und die terroristische Gefahr von Rechtsaußen ist hierzulande längst größer. Trotzdem ist die Machtübernahme der Taliban eine schlechte Nachricht – für Frauen in Afghanistan und für uns.

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