Die Deutsche Bank setzt auf Sigmar Gabriel.
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Die Deutsche Bank setzt auf Sigmar Gabriel.

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Neuer Posten für Sigmar Gabriel: Früherer SPD-Chef nimmt prestigeträchtigen Posten an

  • Katja Thorwarth
    vonKatja Thorwarth
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Sigmar Gabriel ist ein vielbeschäftigter Mann. Der frühere SPD-Chef übernimmt zwar nicht alle ihm angebotenen Posten, doch nun lockt die Deutsche Bank. 

Update, 24.01.2020: Sigmar Gabriel ist nach wie vor sehr umtriebig. Zwar verzichtete der frühere SPD-Chef im vergangenen Herbst nach heftiger Kritik auf das Präsidentenamt beim Verband der Automobilindustrie (VDA), übernahm dafür aber einen Beraterposten bei der Eurasia Group. Außerdem ist er Vorsitzender der Atlantik-Brücke, Mitglied der Trilateralen Kommission und des European Council on Foreign Relations.

Und nun? Holt ihn die Deutsche Bank in ihren Aufsichtsrat. Die Bank hat nach eigenen Angaben am Freitag (24.1.) einen Antrag zur Bestellung des 60-Jährigen beim Amtsgericht Frankfurt eingereicht. Bei der Hauptversammlung am 20. Mai soll sich Gabriel dann den Aktionären zur Wahl stellen.

Gabriel soll im Kontrollgremium des Dax-Konzerns Jürg Zeltner ersetzen, der Ende 2019 seinen Posten geräumt hat, nachdem die Aufsicht Vorbehalte gegen die Bestellung des Ex-UBS-Managers geäußert hatte. „Wir freuen uns sehr, mit Sigmar Gabriel einen überzeugten Europäer und Transatlantiker für den Aufsichtsrat der Deutschen Bank gewinnen zu können“, ließ Aufsichtsratschef Paul Achleitner mitteilen. „Als ehemaliger Umwelt-, Wirtschafts- und Außenminister wird Sigmar Gabriel mit seinem großen Erfahrungsschatz einen besonderen Beitrag leisten und unsere Kompetenz im Aufsichtsrat ergänzen.“

Gabriel selbst erklärte, die Berufung sei für ihn „eine große Ehre“. Das Unternehmen habe als „eine der wichtigsten Finanzinstitutionen in Europa die Chance und die Verantwortung, die Zukunft der deutschen und europäischen Wirtschaft mit zu gestalten“. Dazu wolle er einen Beitrag leisten.

Sigmar Gabriel: Keine formellen Gespräche mit VDA

Update, 29.10.2019, 07.00 Uhr: Sigmar Gabriel hat auf die Medienberichte reagiert, er sei als neuer Präsident des Verbandes der Automobilindustrie (VDA) im Gespräch. Es habe mit ihm keinerlei „formelle Gespräche darüber gegeben“, sagte der frühere Bundeswirtschafts- und Bundesaußenminister der „Zeit“. Er habe sich nicht ins Spiel gebracht und sei auch nicht offiziell vom VDA angesprochen worden. Dies wurde auch im obigen Kommentar angepasst. 

SPD-Chef Sigmar Gabriel als VDA-Präsident im Gespräch

Erstmeldung, 27.10.2019

Auf die am Boden Liegenden sollte man nicht treten, heißt es, und das betrifft insbesondere die deutsche Sozialdemokratie. Aber wenn, wie verschiedene Medien berichten, der ehemalige SPD-Chef Sigmar Gabriel als neuer Präsident des Verbands der Automobilindustrie (VDA) ins Gespräch gebracht wird, ist die Vorlage einfach zu steil. 

Angeblich wird auch die Ex-Staatsministerin im Kanzleramt, Hildegard Müller (CDU), für den Spitzenposten gehandelt, jedoch ist Müller als Personalie weniger heikel. Schließlich galt die CDU im konservativen Sinne noch nie als die Partei einer gesellschaftlichen Wende, die statt auf Autos eher auf alternative Fortbewegungsmöglichkeiten setzt. Soll heißen: CDU und Auto ist kausal.  

SPD-Mann Sigmar Gabriel war einst Umweltminister

Dennoch ist der Sozi Gabriel wohl Wunschkandidat der Autokonzerne, was natürlich deshalb passt, weil das PS-Geblase auf deutschen Autobahnen im größeren Maße ein eher männlich dominiertes Feld ist. Frauen - hier wäre die Assoziation zu Hildegard Müller naheliegend - werden hinterm Steuer eher als Geschwindigkeitshindernis wahrgenommen. 

Sigmar Gabriel wird angeblich Autolobbyist

Denn wer kennt es nicht, das obligatorische Macker-Ratespiel, wenn es bei einem langsamer geführten Pkw heißt: „Wetten? Da sitzt ne Frau am Steuer.“

Die Entscheidung über die Nachfolge von VDA-Chef Bernhard Mattes fällt Anfang November. Mattes hatte Mitte September angekündigt, sein Amt zum Jahresende niederzulegen. Und „sollten keine unüberbrückbaren Differenzen mit Gabriel auftreten, wird er der neue Präsident“, heißt es aus Quellen der „Bild am Sonntag“. Gabriel habe demnach signalisiert, den Posten übernehmen zu wollen.

Sigmar Gabriel und AKK - unerträgliche Leichtigkeit der Ahnungslosen

Erst vor wenigen Wochen hatte er angekündigt, im November sein Bundestagsmandat vorzeitig niederzulegen. Er sitzt seit 2005 im Bundestag, war von 2009 bis 2017 Vorsitzender der SPD und zudem - welch Ironie - auch Umweltminister. 

Nun hat Sigmar Gabriel es nicht exklusiv, fachfremd ein Ministeramt besetzt zu haben. Man nehmen beispielhaft Annegret Kramp-Karrenbauer, die kürzlich beeindruckend offen ihre Inkompetenz bezüglich einer außenpolitischen Gemengelage offenbarte, wobei wohlwollende Kolleg*innen es schafften, einen guten Willen aus ihrer Wirrnis herauszudeuten. 

Eine unerträgliche Leichtigkeit der Ahnungslosen ummantelt so manchen Posten, insofern kann natürlich auch ein ehemaliger Umweltminister Chef der Autoindustrie werden, nach dem Motto: Was interessiert mich meine Funktion von vorgestern?

SPD - einziger Unterhaltungswert ist Böhmermann

Wem Gabriel hingegen einen Bärendienst erweisen würde, ist seiner Sozialdemokratischen Partei Deutschland. Es ist ja schon bezeichnend, dass die gebeutelten „Roten“ ihren Hauptunterhaltungswert aus einem Engagement des Satirikers Jan Böhmermann beziehen, und deren Mitglieder an ihrem eigenen Laden so dermaßen interessiert sind, dass sich gerade einmal 53 Prozent am Voting für einen neuen Vorstand beteiligen. 

Dass diese 53 Prozent dann das Roll Back in Gestalt von Olaf Scholz wählen, der mit dem Charisma und dem Willen zum politischen Wandel einer Hamburger Hafenmole ausgestattet ist, dürfte die SPD unter 10 Prozent schubsen. 

Mit einem Ex-Umweltminister in Gestalt von Sigmar Gabriel, der ja auch meinte, sich mit „Pegida“-Vertretern unterhalten zu müssen, dürfte es mit der 5-Prozent-Hürde knapp werden. Was bleibt, ist Mitleid. Den Sozialdemokraten bleibt wirklich nichts erspart.  

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