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Siemens steht in der Kritik.

Klimaaktivistin Kate Cahoon von 350.org

Kein Geld für den Abbau von Kohle von Siemens und Blackrock

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Das Unternehmen und der Investmentgigant müssen zeigen, wie wichtig ihnen Klimaschutz ist. Sie sollten den Bau einer großen Mine in Australien nicht unterstützen. Der Gastbeitrag. 

Am Ende sind es Nachkommastellen, die darüber entscheiden, ob eine der größten Kohleminen der Welt gebaut werden kann. Als Siemens Chef Joe Kaeser am 12. Januar bekanntgibt, seine Firma „müsse vertragliche Verpflichtungen einhalten“, ist längst bekannt, dass besagter Vertrag zum Bau einer Bahnstrecke, welche die geplante Mine und die Häfen am Great Barrier Reef verbinden soll, weniger als 20 Millionen Euro wert ist. Für eine Firma mit einem Jahresumsatz von mehr als 86 Milliarden Euro gerade noch eine Nachkommastelle.

Auch wenn Geld bei der Entscheidung für das Projekt kaum eine Rolle gespielt zu haben scheint, muss es jetzt Geld sein, das Kaeser zum Einlenken bringt. Wenn Siemens am heutigen Mittwoch zur jährlichen Aktionärshauptversammlung lädt, müssen Aktionärinnen und Investoren zeigen, dass sie es mit dem Klimaschutz ernst meinen.

Blackrock hat immensen Einfluss auf die Firmenpolitik von Siemens

Eine wichtige Rolle fällt dem Investmentgiganten Blackrock zu. Mit über sieben Billionen Dollar verwaltet Blackrock mehr Geld als jede andere Firma. Gleichzeitig ist Blackrock einer der größten Anteilseigner an Siemens. Mit einer Beteiligung von über fünf Prozent am Unternehmen hat Blackrock einen immensen Einfluss auf die Firmenpolitik. Siemens wird so zum ersten Test für die Ausrichtung Blackrocks.

Als Blackrock-Chef Larry Fink Anfang Januar seinen jährlichen Brief zur Anlagestrategie seiner Firma veröffentlichte, löste dies ein Erdbeben auf den Finanzmärkten aus. Neben einer Neuausrichtung von Blackrocks Anlageportfolios anhand von Klimazielen sagte Fink auch, dass Blackrock künftig seinen Einfluss nutzen würde, um gegen das Management von Unternehmen zu stimmen, die Klimarisiken nicht ausreichend berücksichtigen.

Dies kam nicht von ungefähr. Die Klimabewegung beachtete noch vor wenigen Jahren die Finanzindustrie kaum. Mittlerweile haben Fridays for Future und NGO Banken, Versicherungen und Investoren als Mitverursacher der Klimakrise ins Visier genommen und weitere Demonstrationen angekündigt. Auch diesem Protest ist zu verdanken, dass Siemens’ Entscheidung ins Blickfeld der Öffentlichkeit geriet.

Nachhaltigkeit bei Siemens: Was macht Blackrock?

Warum Kaeser sich trotzdem für eine Beteiligung am Bau der Infrastruktur für die Megamine entschieden hat, wird sein Geheimnis bleiben. Wahrscheinlich ging es um Folgeaufträge. Auch der Druck der australischen Regierung unter dem Einfluss der dortigen Kohlelobby wird eine Rolle gespielt haben.

Was bleibt, ist das Wissen, dass auch bei Siemens blumige Aussagen zur Nachhaltigkeit wenig mehr als Marketing sind. Die Aktionärshauptversammlung wird daher beantworten müssen, ob sich auch Schwergewichte wie Blackrock von Hochglanzbroschüren zur Nachhaltigkeit blenden lassen oder ob sie Siemens zum Einlenken zwingen.

Eine Firma die sich damit rühmt, ihre Vorstandsgehälter an Nachhaltigkeitszielen auszurichten, kann nicht gleichzeitig helfen eine ganze Region für die Kohleförderung zu erschließen. Auch wenn Siemens großen Wert darauf legt festzuhalten, dass es bei dem Auftrag nur um den Bau einer Bahnstrecke geht, geht es in Wirklichkeit um sehr viel mehr.

Siemens-Entscheidung zu Bahnstrecke ist enorm wichtig

Das Galilee-Becken liegt etwa 200 Kilometer westlich des Great Barrier Reef. Dort gibt es eine der größten noch unerschlossenen Kohlelagerstätten der Welt. Würde das ganze Becken auch mit weiteren Minen erschlossen und die ganze dort vorhandene Kohle verbrannt, hieße das, zusätzliche 700 Millionen Tonnen Treibhausgasemissionen gelangten in die Atmosphäre. Jedes Jahr. Deutschland hat 2018 knapp 725 Millionen Tonnen CO2 ausgestoßen.

Kaesers Entscheidung für oder gegen den Bau der Bahnstrecke könnte somit darüber entscheiden ob fast sieben Prozent der Menge CO2, die die Menschheit weltweit noch ausstoßen darf um den Klimawandel einzudämmen, verbrannt werden oder nicht. Denn ohne Siemens’ Technologie kann die Bahnlinie zwischen den geplanten Kohleminen und der Küste wahrscheinlich nicht gebaut werden. Es gibt weltweit nur drei Firmen, die die Anforderungen der australischen Regierung zum Bau der Strecke erfüllen. Zwei von ihnen haben eine Beteiligung an dem Projekt ausgeschlossen. Die Dritte ist Siemens.

Blackrock und Siemens müssen Worten Taten folgen lassen

Heute können sowohl Blackrock als auch Siemens entweder ihren Bekenntnissen zum Klimaschutz Nachdruck verleihen oder mit aller Deutlichkeit sagen, dass sie bereit sind unsere Zukunft auch für die letzte Nachkommastelle aufs Spiel zu setzen. In einer Zeit in der in Australien schon eine Fläche größer als ein Drittel Deutschlands verbrannt ist, sollte die Antwort nicht schwierig sein.

Gastautorin Kate Cahoon arbeitet für die Klimaorganisation 350.org in Deutschland.

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