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Mit rund 43 Prozent steuerten die erneuerbaren Energien in Deutschland im Jahr 2019 bereits mehr zum Bruttostrombedarf bei als Stein- und Braunkohlekraftwerke zusammen.

Gastbeitrag

Setzt den Erfolg der Energiewende fort

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Das EEG braucht nach 20 Jahren neue Impulse, um weiter fossile Energiequellen durch nachhaltige zu ersetzen. Der Gastbeitrag.

Kaum ein Gesetz hatte einen gleichermaßen ökonomisch wie ökologisch großen Erfolg wie das Erneuerbare-Energien-Gesetz, kurz EEG, das am 1. April vor 20 Jahren in Kraft trat. Mit rund 43 Prozent steuerten die erneuerbaren Energien in Deutschland im Jahr 2019 bereits mehr zum Bruttostrombedarf bei als Stein- und Braunkohlekraftwerke zusammen. Ihre Klimaschutzwirkung ist immens: Sonne, Wind, Bioenergie & Co. sparen über alle Sektoren hinweg mittlerweile mehr als 200 Millionen Tonnen Kohlendioxid (CO2) pro Jahr ein – und damit mehr als der gesamte Verkehrssektor an CO2 ausstößt.

Zudem generieren die Erneuerbaren eine hohe regionale Wertschöpfung, von der neben Anlagenproduzenten auch kleine und mittelständische Betriebe, das lokale Handwerk, die Land- und Forstwirtschaft sowie die Allgemeinheit über Steuerzuflüsse profitieren. So wurden Zigtausende Arbeitsplätze geschaffen, wovon gerade auch strukturschwache Kommunen profitieren.

Heute sind Erneuerbare dank der rasanten Entwicklung in den vergangenen zwei Jahrzehnten global oftmals schon die kostengünstigsten Energietechnologien – allen voran Wind und Photovoltaik. Das hat auch viel mit dem EEG zu tun, das weltweit rund 100-mal kopiert wurde und neben einer großen Bandbreite von Erneuerbare-Technologien ein echter Exportschlager deutscher Klimaschutzpolitik ist. Damit hat es maßgeblich zum weltweiten Durchbruch der erneuerbaren Energien beigetragen. In vielen Regionen der Welt kann Energie dezentral erzeugt werden, oftmals mit Mikrokrediten erschwinglich.

Charmant ist auch, dass der durch das EEG motivierte Ausbau der Erneuerbaren die Energieversorgung in Deutschland in großem Umfang demokratisierte. Die Maßgabe des Gesetzes, Ökostrom verpflichtend abzunehmen und fair zu vergüten, hat überwiegend Privatpersonen auf den Plan gerufen. Sie tragen die Energiewende und entwickeln sich immer mehr zu „Prosumern“, die mittels Photovoltaikanlage auf dem Dach, der Wärmepumpe im Keller, der Beteiligung an Bürgerwindparks oder der landwirtschaftlichen Produktion von Bioenergie ihre Energie produzieren und konsumieren. Eine geniale Entwicklung!

Die neue Erneuerbare-Energien-Richtlinie der EU will Bürgerenergie weiter voranbringen und Energiegemeinschaften fördern. Die Umsetzung in deutsches Recht steht noch aus, ist aber ein wichtiger Baustein, um für eine neue Dynamik bei der Energiewende zu sorgen.

Simone Peter.

Neue Bürgerenergieprojekte könnten durch gezielte Anreize die Stromnachfrage zeitlich und räumlich mit der Erzeugung in Einklang bringen und einen Beitrag zur Entlastung der Netze leisten, andererseits würden Erneuerbare-Energien-Anlagen abgesichert, die vom kommenden Jahr an nach 20-jähriger Förderung aus dem EEG fallen.

Denn solange es keine fairen Wettbewerbsbedingungen zwischen den Erneuerbaren und fossilen Energieträgern gibt, muss der Klimaschutzbeitrag und die CO2-Freiheit der Erneuerbaren in anderer Form honoriert und anerkannt werden. Hier ist ein Rechtsrahmen gefordert, der einen Weiterbetrieb oder das Repowering, also den Ersatz von alten durch neue Anlagen, sichert. Sonst werden vom kommenden Jahr an in großem Stil wertvolle Solar-, Wind-, Bioenergie- und Wasserkraftanlagen stillgelegt, was einer volkswirtschaftlichen Katastrophe gleichkäme.

Es ist also dringend, den energiepolitischen Stillstand zu überwinden und die in den letzten Jahren politisch motivierte Drosselung des Zubaus der Erneuerbaren zu beenden. Für die besonders kostengünstige Photovoltaik gilt noch immer ein Ausbaudeckel von 52 Gigawatt, der bald erreicht wird. Das bremst bereits heute wichtige Investitionen.

Bei Windenergie an Land wird seit Monaten über absurde Mindestabstände debattiert, obwohl der Zubau bereits 2019 auf den niedrigsten Stand seit Einführung des EEG eingebrochen war. Der Deckel für flexibel einsetzbare Biomasse und für Offshore-Windkraft stellen weitere Hürden dar.

Diese Bremsen, die dem Ausbau im Strom-, Wärme-, Verkehrs- und Industriesektor sowie der Kopplung der Sektoren in einem integrierten System im Wege stehen, sind jetzt zu lösen. Klimakrise und internationaler Wettbewerb warten nicht. Ein Fahrplan für den Ausbau der Erneuerbaren ist überfällig und hat zudem das Potenzial zu einem Konjunkturmotor in der sich abzeichnenden Wirtschaftskrise.

Die Erneuerbaren sind im Zentrum der Energieversorgung angekommen. Es geht nicht mehr darum, sie zu integrieren, sondern darum, das System nach den Erneuerbaren auszurichten – hin zu 100 Prozent Vollversorgung. Dazu trägt auch das EEG weiterhin bei.

Simone Peter ist Präsidentin des Bundesverbands Erneuerbare Energie (BEE).

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