+
Selbst dem Weißkopfseeadler will Trump an den Kragen

Kolumne

Selbst dem Weißkopfseeadler will Trump an den Kragen

  • schließen

Egal ob Buckelwal, Grizzly oder sogar das Wappentier der USA: Für den US-Präsidenten sind die Profite der Konzerne wichtiger als der Artenschutz.

Sie haben wenig gemeinsam, die Langohr-Fledermaus aus Virginia und der Grizzlybär aus den Rocky Mountains. Man muss kein Biologe sein, um das zu erahnen. Die Größe der Ohren ist dabei noch der kleinste Unterschied. Auch dürften sich die Gefühle unterscheiden, je nachdem ob man einem Riesenbären oder einer Fledermaus begegnet. Die tragische Gemeinsamkeit dieser Tierarten ist, dass sie beide im Endangered Species Act (ESA) der Vereinigten Staaten stehen, dem zentralen Gesetz ihres Heimatlandes zum Schutz gefährdeter Arten und von deren Lebensräumen.

Seit dessen Unterzeichnung durch Präsident Richard Nixon im Jahr 1973 haben sich die Bestände nicht nur dieser zwei Arten erholt, sondern auch die vieler anderer bedrohter Tiere, die mit ihnen auf der Liste des ESA stehen. Doch jetzt ist genug geschützt. Das meint zumindest Donald Trump. Das erfolgreiche Gesetz des ESA will er massiv aufweichen. Dann können die Habitate wieder freigegeben werden für Ölbohrung, Abholzung und andere Aktivitäten, die zahlreiche Arten schon einmal an den Rand der Ausrottung gebracht hatten. Besonders absurd ist dabei, dass nun wirtschaftliche Überlegungen den Ausschlag geben können.

Was ist denn schon der Wanderfalke oder Buckelwal wert, im Vergleich zu dem, was sich mit Bergbau oder Fracking in deren – dann einstigen – Lebensräumen verdienen ließe. Sogar der Weißkopfseeadler, immerhin Wappenvogel der USA und somit prominentester Vertreter geschützter Arten, könnte Opfer dieser Überlegungen werden.

Ausrottung ist endgültig

Ausrottung ist endgültig. So stellte ein US-Gericht schon 1978 im Streit um ein Staudammprojekt fest, der amerikanische Kongress habe mit dem ESA eindeutig zum Ausdruck gebracht, dass der Trend der Ausrottung von Arten gestoppt und umgekehrt werden solle – zu welchen Kosten auch immer. Und dass der Wert des genetischen Erbes nicht berechenbar sei. Die Staudammbefürworter verloren den Prozess.

Jetzt, nach 40 Jahren, soll die gesamte Logik auf den Kopf gestellt werden. Und Richard Nixon, dessen Andenken nicht wirklich positiv besetzt ist, erscheint auf einmal als zumindest mit der Unterzeichnung des ESA weitsichtig und im Vergleich zum jetzigen Amtsinhaber sogar als fortschrittlich. Und der Filmcowboy Ronald Reagan hat als US-Präsident immerhin den Vertrag über nukleare Mittelstreckensysteme mit der Sowjetunion unterzeichnet und damit die schwere Last eines möglichen Atomkrieges aus der Welt geschafft. Sein aktueller Nachfolger hat auch diesen gekippt. In was für Zeiten stürzt uns Trump, wenn sogar Nixon und Reagan sich Meriten erworben haben, die er jetzt mit Füßen tritt.

Auch wenn atomare Wiederbewaffnung, Flüchtlingskrise und Klimawandel die globale Diskussion dominieren, dürfte der von Trump nun eingeleitete Anschlag auf den Artenschutz diesen Themen kaum nachstehen. Die Konsequenzen sind weitreichend, beschleunigen sogar global die Umweltzerstörung und Artenausrottung. Damit verbunden sind massive Kürzungen der Mittel für Naturschutzprojekte weltweit. Denn unter dem Schutz des ESA stehen auch viele Arten, die gar nicht in den USA zu Hause sind.

Lesen Sie auch:

Iran-Expertin Natalie Amiri: Trump verschärft die Golfkrise

Die ARD-Korrespondentin analysiert in ihrem Gastbeitrag für die FR vor dem möglichen Einsatz der Bundeswehr am Golf die vertanen Möglichkeiten der Diplomatie.

Mehrere US-Bundesstaaten verklagen Donald Trump 

Mehrere US-Bundesstaaten haben die Regierung von US-Präsident Donald Trump wegen der Verschärfung der Regeln für legale Einwanderung verklagt.

Grönland kaufen? Donald will ein Eis!

Ein ganz großes Eis! Und bekommt von den Grönländern eine ziemlich coole Absage.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare