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Schwimmen und Radfahren in Klagenfurt

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Von: Harry Nutt

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Olga Martynova nimmt den Ingeborg-Bachmann-Preis in Klagenfurt entgegen.
Olga Martynova nimmt den Ingeborg-Bachmann-Preis in Klagenfurt entgegen. © REUTERS

Eine Zeit lang zuckte man bei der Bezeichnung Kärntner Landeshauptstadt unwillig zusammen, in Erwartung einer Nachricht über diesen Haider. Nun assoziiert man zu Klagenfurt wieder Bachmann-Preis, Wettlesen und Wörthersee.

Und die von den Zeitungen dorthin entsendeten Kritiker berichteten wie gehabt von Büchern und Menschen, aber auch vom Dichterschwimmen im See und den abendlichen Fahrradfahrten dorthin. Ganz davon lassen mochte Christopher Schmidt in der Süddeutschen Zeitung auch diesmal nicht. „In Anspielung auf Ingeborg Bachmanns Erzählung ‚Drei Wege zum See‘ hatte Ruth Klüger den Literaturtagen eingangs gewünscht, dass sie Wege zum See finden. Und sie meinte damit nicht nur Wege zum Wörthersee, sondern auch solche zum Wörtersee, also zur Wahrheit. Was erstere betrifft, so waren 120 Fahrräder an die Bachmann-Crowd verliehen worden. Der Weg zur Wahrheit dagegen war verschlungener, aber am Ende hat er zur Richtigen ‚Hi‘ gesagt.“

Hi gesagt hatte die spätereBachmannpreisträgerin Olga Martynova, und Gerrit Bartels erklärt im Tagesspiegel, warum sie gewann. „Martynovas Geschichte ‚Ich werde sagen: Hi‘ ist literarisch und luftig-unterhaltsam zugleich, sprachlich souverän und auch in der Stoffgestaltung. Ein typischer Klagenfurt-Sieger-Text, der zudem durch thematische Fülle imponiert. Er erzählt die Geschichte der Schriftstellerwerdung und des Liebeserwachens eines jungen Mannes namens Moritz, (...) Und schließlich transportiert Martynovas Text die Geschichte eines Provinzstädtchens, in einer (multikulturellen) Gegenwart genauso wie in der Tiefe der Zeit.“

Unentschlossene Juroren in Klagenfurt fehl am Platz

Zur Gattung der Klagenfurt-Rezension gehört aber unbedingt auch die Jury-Kritik, die Richard Kämmerlings in der Welt wie folgt absolviert: „Es fehlt in dieser Jury aber an Binnenspannung, die Temperamente sind zu ähnlich, die akademischen Hintergründe, die Generationenerfahrungen. Vielleicht hat auch einfach die Streitlust bei einigen nachgelassen. Symptomatisch, dass der Jury-Vorsitzende Burkhard Spinnen mehrfach äußerte, er könne allem zustimmen, den positiven wie den negativen Urteilen. Laue Texte und unentschlossene Juroren sind in Klagenfurt fehl am Platz. Eure Rede sei ja, ja oder nein, nein.“

Über allem Kritikergrummeln aber schwebt noch immer Marcel Reich-Ranicki, mit dem der Rapper Maxim für FAS in Frankfurt vorm Fernseher gesessen hat. „Warum haben Sie es damals für richtig gehalten, diesen Preis zu gründen“, fragt Maxim. „MMR: Wieso sind Sie der Ansicht, dass ich das für richtig hielt. Ich hielt es für falsch, von Anfang an. Maxim: Aber Sie waren doch Jury-Mitglied! MRR: Ich habe versucht, guten Leuten Preise zu geben. Und es waren auch gute, sehr gute dabei.“ Ihm gefalle es nicht sagt Maxim noch, er halte die Juroren für gescheiterte Künstler. „MRR: Jetzt lassen Sie doch den Bachmann-Preis in Ruhe.“

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