+
Der Mythos Schönheit ist wirkmächtiger denn je.

Kommentar

Schönheits-Chirurgie: Der weibliche Körper als Kampfzone

  • schließen

Immer mehr junge Frauen unterziehen sich Schönheits-Operationen. Sie leiden schwere Schmerzen, um beliebigen Schönheitsnormen zu entsprechen. Ein Kommentar.

Frauen sind Körper, Männer führen ihren Körper an der Leine spazieren. Ein dummer Satz. Doch angesichts des Booms der Schönheitschirurgie strengen sich offensichtlich immer mehr Frauen an, diesem Klischee zu entsprechen. Gefangen in einem Strudel aus Selbsthass, fixiert auf angebliche körperliche Unvollkommenheiten.

So stark wie niemals zuvor ist der Körper zum Maßstab und Ausdrucksmittel für den weiblichen Platz in der Welt geworden. Von der Schönheitsindustrie angeheizt und vom Netz befeuert, entfaltet der Drang nach Schönheit eine unendliche Wucht. Jedes Körperteil genormt, Haare, Make-up, Outfit perfekt gestylt und technisch inszeniert – die schrecklich makellos zugerichteten Influencerinnen, die sich Mädchen und jungen Frauen als Identifikationsfiguren anbieten und sie zu Abhängigen machen, treten den Beweis dafür an.

Die Selbstoptimierung per Skalpell wird immer grotesker

Der Trend gipfelt in der Selbstoptimierung per Skalpell. Seit den 1990er Jahren ist er zu beobachten. Doch die Entwicklung wird immer grotesker und die Zielgruppe immer jünger. Selbst kleine Mädchen und Jugendliche sind heute bereit, sich unters Messer zu legen und unendliche Schmerzen zu ertragen, um einer Schönheitsnorm zu entsprechen. Ihr Körper gehört nicht mehr ihnen. Bereits in jungen Jahren ist er durch Überformung und Verfremdung von außen geradezu enteignet. Sie sind bereits hineingewachsen in ein entfremdetes Körpergefühl.

Was ist attraktiv? Was schön und begehrenswert? Nichts als eine gesellschaftliche Verabredung, abhängig von den sich verändernden Normen eines Kulturkreises und den jeweiligen Moden. Doch der Mythos Schönheit ist wirkmächtiger denn je. Obwohl Frauen in allen westlichen Ländern mehr Macht, Einfluss und Geld haben als jemals zuvor, scheint ihr körperliches Selbstwertgefühl so gering zu sein wie nie. Der Zwang, sich den herrschenden Idealen von Schönheit und Attraktivität zu unterwerfen, macht einen Teil der weiblichen Selbstbestimmung wieder zunichte.

Die Schönheitsindustrie, ein irre lukrativer Wirtschaftssektor, geht als Gewinnerin aus dem Spiel. Noch. Bis Frauen endlich beginnen, ihren Körper als Ort der politischen und sozialen Auseinandersetzung mit dem weiblichen Selbst zurückzuerobern.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare