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Rechtsextremismus in Ostdeutschland: Gefahr der Verharmlosung

Rechtsextremismus

Schlampigkeit im Minenfeld

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Göttinger Forscher haben bei einer Studie über Rechtsextremismus im Osten Deutschlands Fehler gemacht. Eine Verharmlosung des Problems darf aber nicht die Folge sein. Ein Kommentar.

Es gibt keinen Grund, lange drum herum zu reden: Die Wissenschaftler vom Göttinger Institut für Demokratieforschung haben in ihrer Studie über den Rechtsextremismus in Ostdeutschland einen Fehler gemacht, den sie nicht hätten machen dürfen. Sie haben damit ihrem eigenen Anliegen geschadet.

Wenn man auf eine repräsentative Studie verzichtet und stattdessen eine qualitative Untersuchung bevorzugt, die sich auf lediglich 40 Einzelinterviews stützt, dann müssen die Quellen sauber nachgewiesen werden - und wenn das wie im vorliegenden Fall aus verständlichen Gründen nicht geht, dann müssen die Autoren Anonymisierungen und Verfremdungen an jeder Stelle überzeugend kennzeichnen. Schlampigkeit schlägt auf diesem  verminten Gelände doppelt und dreifach zu Buche.

Dass Kritiker vor allem aus der sächsischen CDU den Inhalt der Studie jetzt wieder grundsätzlich bestreiten, liegt nahe, ist aber falsch. Denn gerade was Sachsen betrifft, hätte es der Studie gar nicht bedurft, um Rechtsextremismus als Problem zu erkennen. Hier saß die NPD im Landtag. Hier steht die Wiege der teils nicht minder rechtslastigen AfD - und die von Pegida. Hier - in Bautzen, Sebnitz, Heidenau und Zwickau - wurden Bundespräsident Joachim Gauck, Kanzlerin Angela Merkel und Justizminister Heiko Maas binnen weniger Monate attackiert. Hier sind Flüchtlinge ihres Lebens nicht sicher. Der sächsische CDU-Bundestagsabgeordnete Arnold Vaatz hat die Lage gestern dennoch abermals verharmlost; dafür hat er die Autoren der Studie kritisiert.

Was die Güte ihrer Arbeit angeht, mit Recht. Das Ergebnis ist verheerend. Die letzten Nachrichten werden dazu führen, dass jetzt auch die letzten Gesprächsmöglichkeiten verschüttgehen - und zwar dort, wo Gespräche bitter nötig wären.

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