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Schäuble war neben Helmut Kohl wohl der entscheidende Mann Ende der Bonner und zu Beginn der Berliner Republik.

Auslese

Schäuble lächelt, Kohl grient

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Wolfgang Schäuble ist der Mann, ohne den nichts läuft im Land. Am 18. September feiert der CDU-Politiker seinen siebzigsten Geburtstag. Eine gute Gelegenheit, ein Buch über ihn zu lesen.

Wolfgang Schäuble ist der Mann, ohne den nichts läuft im Land. Am 18. September feiert der CDU-Politiker seinen siebzigsten Geburtstag. Eine gute Gelegenheit, ein Buch über ihn zu lesen.

Am 18. September wird Wolfgang Schäuble seinen siebzigsten Geburtstag feiern. Eine gute Gelegenheit, ein Buch über ihn zu lesen. Schäuble war neben Helmut Kohl wohl der entscheidende Mann Ende der Bonner und zu Beginn der Berliner Republik. Wann immer die CDU regiert, und so muss man jetzt wohl sagen, wer immer die CDU regiert, Wolfgang Schäuble ist der Mann, ohne den nichts läuft im Land.

Ein Wunder, dass er nicht der ist, der das Sagen hat. Aber wir alle wissen: Es ist kein Wunder. Es ist unser Glück. Sonst hätten wir einen Bundeskanzler, der das Parlament belog, einen Kanzler, der vor keiner Trickserei zurückschreckte, wenn er den Eindruck hatte, es diente seiner Partei und deren Vorsitzendem Helmut Kohl. Wolfgang Schäuble „hatte seinen Kanzler fast zwei Jahrzehnte durch alle Krisen geschleppt, ließ sich von ihm für den Machterhalt benutzen und bekam am Ende die Rolle des nützlichen Idioten zugewiesen.“ So schreibt Hans Peter Schütz in seinem Buch über Schäuble.

Lange Gespräche

Es basiert auf langen Gesprächen mit Wolfgang Schäuble, mit seinem Bruder Thomas, mit seiner Ehefrau Ingeborg. Die antwortet zum Beispiel auf die Frage nach dem Zusammenleben mit W. S.: „Wir sind sehr häufig in Straßburg bei Konzerten. Wir lieben es, schön essen zu gehen und einen Wein hier aus der Gegend zu trinken. Ansonsten genießen wir die Familie, und das ist es dann. Viel mehr Zeit haben wir auch nicht.“ Ein bewegendes, wohl wahres Wort. Wenn Bruder Thomas vom Pennäler Wolfgang erzählt, der habe die hohe Ehre gehabt, „dem Mathelehrer das große Lineal und den Zirkel nachtragen zu dürfen“, dann erkennt der Leser Schäubles Kofferträger-, seine Vasallennatur. Er ist der geborene Zweite.

Bei Schütz sind gut und böse säuberlich getrennt. Bis in die Verben hinein: Wolfgang Schäuble lächelt, Helmut Kohl grient. Das entscheidende, das 14. Kapitel heißt: „Geldkoffer: Die Lüge seines Lebens“. Man erinnert sich: November 1999. Haftbefehl gegen den Ex-Schatzmeister der CDU Walther Leisler Kiep. Waffenhändler Karlheinz Schreiber hatte dem auf dem Parkplatz eines Einkaufszentrums in der Schweiz einen Koffer mit einer Million in bar überreicht. An der Steuer vorbei.

Die CDU erklärt wahrheitswidrig, von nichts eine Ahnung zu haben. Ein paar Tage später meint Schäuble auf eine Rückfrage des Grünenabgeordneten Ströbele hin, bei einem Gespräch zwischen ihm und Schreiber sei „weder von Panzern noch von Ähnlichem die Rede gewesen“. Schäuble vergaß zu erwähnen, dass er bereits 100.000 Mark von Schreiber kassiert hatte. Hans Peter Schütz meint dazu: „Diese Lüge vor dem Bundestag war ein schwerer Fehler, für den sich Schäuble später selbst als ‚Idiot‘ beschimpft hat.“ Der Held bedauert, dass er erwischt wurde. Sein Biograf mit ihm.

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