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Ryanair spart - den Hahn-Taler

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Von: Frank-Thomas Wenzel

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Frank-Thomas Wenzel ist Wirtschaftsredakteur der Frankfurter Rundschau.
Frank-Thomas Wenzel ist Wirtschaftsredakteur der Frankfurter Rundschau. © FR

Rheinland-Pfalz lässt sich vom Billigflieger erpressen. Mit Staatsknete wird sein fragwürdiges Geschäftsmodell gestützt. Eine Analyse von Frank-Thomas Wenzel

Von Landratspisten sprechen Insider, wenn sie die Mini-Flughäfen in der Provinz meinen. Die Versuchung für Landräte und Landesregierungen ist groß, einen Ex-Militärflugplatz in einen Billigflieger-Airport umzurüsten. Schließlich können die Politiker zweifach Punkte sammeln. Erstens: Arbeitsplätze werden geschaffen oder zumindest gesichert. Zweitens: Das Volk kann für ein paar Euro in die große weite Welt - nach London oder Rom respektive in dessen Umland - entschweben.

Der Flugplatz Hahn galt lange als das Musterbeispiel für die Konversion einer militärischen Anlage in einen Knotenpunkt der Tourismus- und Freizeitindustrie. Doch das Projekt ist kläglich gescheitert. Dabei war der Grundgedanke noch nicht einmal falsch: Der Staat (in diesem Fall die Landesregierungen von Hessen und Rheinland-Pfalz) baut den Airport aus und subventioniert den Flugbetrieb. Das darf aber nur für einen begrenzten Zeitraum sein. Der "Hahn-Taler", eine Terminalgebühr von drei Euro pro Passagier, sollte der Hunsrück-Airport endlich in die schwarzen Zahlen führen. Das wäre ein wichtiger Schritt gewesen, um letztlich weniger Steuergeld in den Hahn zu stecken. Doch die rheinland-pfälzische Landesregierung ließ sich von Ryanair erpressen - und dazu mussten die Iren noch nicht einmal allzu viel Raffinesse einsetzen. Es reichte die Drohung, Flieger abzuziehen, wenn der Hahn-Taler kommt. Angeblich wurde schon mit Köln-Bonn als Alternativstandort verhandelt.

Jetzt ist der Hahn-Taler vom Tisch und Rheinland-Pfalz will den Provinz-Airport allein betreiben. Hessen und der Hauptanteilseigner Fraport, der mehrheitlich wiederum Hessen und der Stadt Frankfurt gehört, werden sich früher oder später aus der Hahn-Betreibergesellschaft verabschieden. Rheinland-Pfalz ist offenbar bereit, Hahn im Alleingang auf Dauer zu subventionieren. Koste es, was es wolle - Fraport allein soll bislang schon 20 Millionen Euro jährlich in den Flugplatz gesteckt haben.

Eine unerträgliche Situation. Denn es geht hier darum, dass Ryanair mit staatlicher Unterstützung den ruinösen Preiskampf in der Luftfahrt forcieren kann. Es geht um ein Geschäftsmodell, das volkswirtschaftlich zumindest fragwürdig ist: Die Billigflieger leben vor allem von Kurzurlauben, Wochenend- und Shoppingtrips in europäische Metropolen. Das zieht Kaufkraft aus der Region ab, und dabei wird auch noch jede Menge verbranntes Kerosin in die Luft geblasen.

Und hinzu kommt, dass die Geschäftsmodelle der Low-Cost-Carrier auf wackeligen Füßen stehen. Das zeigt gerade Ryanairs verbissener Kampf gegen den Hahn-Taler. Er hätte ein Vorbild für andere Regionalflughäfen in ganz Europa werden können. Und dadurch wäre das Geschäftsmodell der Iren in Gefahr geraten. Deren Rechnung geht nämlich nur dann auf, wenn Flughäfen subventioniert werden, damit diese den Airlines niedrige Start- und Landegebühren und andere "Incentives" bieten können, bis hin zu Zuschüssen für die Ausbildung von Flugbegleitern. Deshalb sollte sich jeder Landespolitiker genau überlegen - etwa beim Ausbau von Kassel-Calden -, ob er wirklich auf die fliegenden Billigheimer setzen will. Schließlich gibt es jede Menge Alternativprojekte, um mit Subventionen Jobs nachhaltiger zu sichern.

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