Putin

Russlands Hoffnung

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Vor allem junge Leute gehen gegen Putin auf die Straße.

Zehntausende Russinnen und Russen sind in mehreren Städten des Landes auf die Straße gegangen. Sie demonstrierten gegen Korruption in der Staatsführung. Die Staatsmacht verhaftete Hunderte Protestler. Der Anlass der Kundgebungen war ein Video des Oppositionspolitikers Alexej Nawalny. Darin wird Regierungschef Dmitir Medwedew Bereicherung vorgeworfen. Mit den Protesten ist aber vor allem Wladimir Putin gemeint.

Die „Süddeutsche Zeitung“ schreibt dazu: „Überraschend viele Teilnehmer der Proteste am Sonntag waren aber Schüler und Studenten. Eltern mussten 15-Jährige vom Revier abholen. Die Generation, die seit ihrer Geburt nur ein Russland unter Putin kennt, sieht es trotzdem nicht als naturgegeben an, dass eine korrupte Elite ihnen die Zukunft stiehlt. Weil sie bei der letzten Protestwelle noch Kinder waren, kennen sie Repressionen noch nicht aus eigener Erfahrung. Möglich, dass sich das jetzt ändert. (...) Seit den 1990er Jahren messen die Soziologen des unabhängigen Lewada-Instituts das Protestpotenzial in der russischen Gesellschaft. Nie waren die Werte so lange so niedrig wie seit der Krim-Annexion. Bei der jüngsten Erhebung im November erklärte nur einer von zehn seine Bereitschaft, an politischen Kundgebungen teilzunehmen. ... Jetzt stellt sich heraus, dass die Statistiken einen blinden Fleck haben: Es wurden nur Volljährige befragt.“

Die „Augsburger Allgemeine“ meint zudem, in Russland scheine die Angst vor Putin zu schwinden – vor allem bei der Jugend: „Sie ist immer weniger bereit, die Repressionen und die gleichzeitige Reformunfähigkeit zu ertragen. Wenn sich dann offenbar auch noch die Regierenden ungeniert bereichern, wächst die Wut. Die Massenproteste vom Sonntag sind Ausdruck eines neuen bürgerschaftlichen Selbstbewusstseins in Russland.“ Die Zeitung bezweifelt aber, ob die Opposition mit Nawalny „bereits den bestmöglichen Gegenkandidaten für Putin gefunden hat“.

Die „Rheinische Post“ konstatiert, dass die jüngsten Demonstrationen in Russland ernstzunehmen sind: „Dieser Protest ist brandgefährlich für Putin, denn er entlarvt ihn. International spielt der russische Präsident den großen Kriegsherrn und Staatsmann. Aber zu Hause wächst die Armut, werden Löhne nicht ausbezahlt, verfällt die Infrastruktur. Die jungen Russen (...) lassen sich offenbar mit patriotischer Propaganda nicht mehr abspeisen. Sie wollen keinen Krieg in Syrien oder der Ukraine, sie wollen ein besseres Leben. Und das kann Putin ihnen nicht bieten.“

Der „Merkur“ blickt pessimistisch in die Zukunft: „Politische Beobachter der Moskauer Szenerie prognostizieren, Putin werde aus reinem Selbsterhalt nicht in Polit-Rente gehen. (...) Keine schönen Aussichten für die Demokratie in Russland.“

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