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König Felipe VI. und Königin Letizia.
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König Felipe VI. und Königin Letizia.

Kolumne Lieber Herr Thadeusz!

Was ist los mit den Royals?

  • VonJörg Thadeusz
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Die Ära der in jeder Beziehung bisher so majestätischen spanischen Fußballmannschaft soll einfach so vorbei sein? Das ist schwer zu glauben. Vielleicht kann ja König Felipe noch was retten.

Noch immer hat keiner angerufen. Dabei braucht der neue König Spaniens doch bestimmt einen Berater. Majestät, Sie müssen handeln, würde ich ihn bestürmen, wenn er endlich anruft. An dem Tag, an dem er sich die Krone aus dem 18. Jahrhundert aufsetzte, sah die ganze Welt, dass die Torhüterreflexe des anderen spanischen Königs, Iker Casillas, aus eben dieser Epoche stammen.

Wie bitter. Mein Rat: König Felipe sollte die spanische Nationalmannschaft am Flughafen abholen. Der Eröffnungssatz seiner Rede steht schon fest, er lautet: „Amigos, ich glaub’ es hackt“. Anschließend würde er den Spielern erklären, warum es mit ihrer Entschuldigung für ihr schlappes Auftreten in Brasilien allein nicht getan ist. Dann nennt er die Strände, die sie für den Rest der Sommersaison zu harken haben.

Wen soll Müller knutschen?

Selbstverständlich ist das irrational und womöglich sogar ungerecht. Aber genau wie Felipe kann ich mich einfach noch nicht damit abfinden, dass die Ära dieser in jeder Beziehung majestätischen Fußballmannschaft einfach so vorbei sein soll. Diese Souveränität, diese Grazie, diese sympathischen Männer. Die im Fall von Iker Casillas direkt nach der Weltmeisterschaft auch noch das Herz von Fußballreporterinnen gewinnen. Nur um den unaufholbaren Unterschied in der Prachtentfaltung zu dokumentieren: Wen sollte denn der deutsche WM-Held Müller nach einem Triumph knutschen? Opdenhövel?

Auch wenn ich es als Auszeichnung empfinde, von spanischsprachigen Menschen mit „Jorge“ angesprochen zu werden: Ich würde auch dem schwedischen König Carl Gustaf dienen. Nach dem Schmuddelkram, den ein Journalist vor einiger Zeit über ihn zusammenschrieb, könnten wir gemeinsam seine Sicht der Dinge aufschreiben. Unter dem Titel „Ehe ist keine Einbahnstraße – die Schwedenhappen einer gekrönten Naschkatze“.

Mit Albert von Monaco würde ich mich bestimmt auch gut verstehen. Denn wir haben beide mehr als ein Kinn. Insofern ahne ich, wie er zu jeder Kamera stehen muss, damit da nichts ungünstig aufliegt. In Deutschland ist dagegen monarchisch leider nichts mehr zu machen. Wen sollten wir in einem Land krönen, in dem Extravaganz anstößig ist?

Kleinkarierte deutsche Spießer

Normal bleiben, die anderen in ihrer Langweiligkeit nicht stören, so etwas gilt in Deutschland als Tugend. Oder warum wird der Fußballkönig Cristiano Ronaldo von jedem kleinkarierten Spießer in einer deutschen Kommentatoren-Kabine hämisch überkübelt? Dabei hat der Mann guten Grund, den Boden unter den Füßen zu verlieren. Wann sollte er fliegen, wenn nicht jetzt? Die ganze Welt schaut ihn an, er gibt ihr was zu gucken.

Wie Felipe vor ein paar Tagen. Der Weltmeister raus aus der Weltmeisterschaft und Spanien hat immer noch diese großen Geldsorgen. Mitten im Schlamassel stehen aber jetzt 197 Zentimeter Hoheit. Neben ihm seine wunderschöne Frau. Über deren „Ja“ er sich so freute, dass er bei der Hochzeit 2004 ganz viel weinen musste. In dunkelblauer Uniform sagt er, wie sehr er sein Land liebt.

Hach, seufzt der Royalist in mir beeindruckt und überlegt kurz, ob sich Pofallas Aufstieg bei der Bahn durch eine schmucke Schaffnertracht ins Würdevolle retten ließe. Sollte Felipe anrufen, sage ich nur das Nötigste: Viva Espana.

Jörg Thadeusz ist Moderator.

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