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Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU).
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Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU).

Leitartikel

Riskantes Spiel

  • VonDirk Schmaler
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Statt eines „Freedom Days“ ist ein Gesetz nötig, das es erlaubt, auf die künftigen Anforderungen der Corona-Pandemie angemessen zu reagieren. Der Leitartikel.

Wahrscheinlich stimmt es und Pandemien enden einfach per Beschluss. Da das Virus aller Voraussicht nach nicht einfach verschwinden, sondern höchstens Stück für Stück ungefährlicher werden wird, wird es einen Punkt geben müssen, an dem die Gesellschaft das noch vorhandene Risiko akzeptiert und das normale Leben wieder aufnimmt.

Wenn es nach Bundesgesundheitsminister Jens Spahn geht, ist dieser Punkt in Deutschland erreicht. Er fordert, die „pandemische Lage nationaler Reichweite“, die juristische Grundlage für die zentralen Corona-Maßnahmen, Ende November nicht mehr zu verlängern. Mit seiner Amtszeit, so wünscht es Spahn, soll auch die Pandemie ihr Ende finden.

Es wäre eine ziemlich unglamouröse und kraftlose Art des „Freedom Days“. Statt des Ausrufens einer großen Party mit wahnwitzigem Freiheits-Getrommel, wie Premierminister Boris Johnson sie vor einigen Monaten in Großbritannien veranstaltete, würde hierzulande einfach inmitten des Machtvakuums der Regierungsfindung der zentrale Bundestagsbeschluss zu den Corona-Regeln auslaufen.

Und das schon deshalb, weil es bis dahin höchstwahrscheinlich noch keine Koalition gibt, die den neu zusammengesetzten Bundestag und die drei wahrscheinlichen zukünftigen Regierungsparteien SPD, Grüne und FDP zu einem neuen, gemeinsamen Beschluss bringen könnte.

FDP und auch viele Grüne fordern schon länger ein Ende des Ausnahmezustands, die SPD mit Gesundheitsexperte Karl Lauterbach ist bislang für eine Verlängerung. Spahns plötzliches Plädoyer für die Freiheit ist deshalb nicht zuletzt eine politische Gemeinheit eines Wahlverlierers, die die sich gerade formierende Ampel-Koalition schon vor dem ersten Verhandlungstag in eine erste Bewährungsprobe steuert.

Dabei ist die Virusgefahr noch nicht gebannt – auch wenn das Leben vor allem für Geimpfte schon in beträchtlichem Maße wieder in Gang gekommen sein mag. Die Infektionszahlen steigen wieder an, und die Impfquote ist nach Ansicht fast aller Experten nicht ausreichend, um ohne neue Wellen durch den Winter zu kommen. Zumal zur Zeit niemand so ganz genau sagen kann, wie viele Menschen in Deutschland überhaupt vollständigen Impfschutz erhalten haben – ein bürokratisches Versagen, dass auch der nun wohl scheidende Gesundheitsminister Spahn zu verantworten hat.

Die Impfdurchbrüche scheinen vor allem unter Älteren ein immer größeres Problem zu werden, für die Kinder ist der Impfstoff noch nicht zugelassen. Kurz: Vieles ist ungewiss. Wer nun kurzerhand Entwarnung für den Rest des Jahres gibt, spielt ein riskantes Spiel.

Gefordert wäre stattdessen einmal mehr ein politischer Kraftakt. Das neu formierte Parlament und die Bundesländer müssen einen ganz neuen Weg finden, der möglichen Entspannung der Lage Rechnung zu tragen – allerdings ohne damit die auch bundesweit abgestimmte Handlungsfähigkeit aufzugeben, sollte der folgende Winter die ärgsten Befürchtungen bestätigen.

Das kann etwa in einem abermals veränderten Infektionsschutzgesetz passieren, das die Befugnisse auch bei einer festgestellten pandemischen Lage sinnvoll einengt, ohne gleich einen unkoordinierten Flickenteppich an regionalen Maßnahmen und neue Rechtsunsicherheiten zu provozieren.

Es wäre der Versuch, die Pandemiepolitik in der hoffentlich letzten Phase noch einmal Schritt für Schritt an dem tatsächlichen Geschehen auszurichten. Das mag unbefriedigend sein für jene, die endlich einen zumindest symbolischen Schlussstrich unter diese Pandemie ziehen wollen. Doch das Corona-Virus hat es nicht so mit politischer Symbolik. Das gilt für die kalte Jahreszeit besonders.

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