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Das leere "Parthenon der Bücher" der argentinischen Künstlerin Marta Minujin. Wegen des drohenden Defizits, schlechter Kritiken und dem Streit zwischen Gesellschaftern und Kuratoren bleibt die Documenta 14 in der Krise.

Documenta 14

Das Riesenloch in der Kasse

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Über das finanzielle und andere Defizite der Documenta wird viel gestritten. Doch ist an allem wirklich nur der Leiter Adam Szymczyk schuld? Der Leitartikel.

Nichts scheint am Ende der 14. Ausgabe der Kunstausstellung Documenta leichter, als den Stab über deren mirakulösen Leiter Adam Szymczyk zu brechen. Anstelle der erhofften künstlerischen Strahlkraft hat der polnische Kurator und einstige Chef der Kunsthalle Basel ein Riesendefizit in der Kasse des alle fünf Jahre stattfindenden Kulturereignisses hinterlassen.

Kritiker bemängelten eine allzu hölzerne Thesenkunst, und angesichts der anti-kapitalistischen Tiraden, mit denen Szymczyk seine Konzeption für die Standorte Athen und Kassel beharrlich begründete, bedurfte es viel Geduld, um ästhetischen Eigensinn von apodiktischer Polit-Pädagogik zu unterscheiden.

Und natürlich ist es verstörend, dass Szymczyk als Reaktion auf die nun erforderlichen Bürgschaften durch die Stadt Kassel und das Land Hessen in Höhe von sieben Millionen Euro mit Gegenvorwürfen kontert. Als sei er nie der oberste Vertreter des Unternehmens Documenta gewesen, lamentiert Szymczyk wie ein prekär beschäftigter Zuwendungsempfänger. Es sei an der Zeit, „das System der Wertschöpfung solcher Megaausstellungen wie der Documenta auf den Prüfstand zu stellen“ und „das ausbeuterische Modell“ der Documenta anzuprangern.

Ein teures Missverständnis?

Wer so spricht, scheint nie ernsthaft eine gesellschaftspolitische Verantwortung übernommen zu haben für eine der größten und bedeutendsten Kunstausstellungen der Welt, die über einen Etat von rund 37 Millionen Euro verfügt. War es also ein teures Missverständnis, das die vom Publikum, der kleinen Stadt Kassel und der großen Politik gleichermaßen so geliebte Kunstschau nun in eine veritable Existenz- und Sinnkrise stürzt?

Ganz von der Hand zu weisen ist Szymczyks Argumentation allerdings nicht. Die Documenta hat sich in den letzten Jahren rasant verändert, und man macht es sich zu leicht, den in vielfacher Hinsicht riskanten Teiltransfer der Schau von Kassel nach Athen als größenwahnsinnigen Fehltritt abzutun.

Adam Szymczyk war keineswegs der erste Kurator, der sich bei der Gestaltung der Documenta von der Idee hat treiben lassen, das „Museum der 100 Tage“ nicht länger auf die Stadt im Nordhessischen zu beschränken. Bereits Documenta-Gründer Arnold Bode hatte mit einem Ableger in Philadelphia geliebäugelt, und zu der vom amerikanisch-nigerianischen Kunstmanager Okwui Enwezor betreuten Documenta von 2002 hatte sich dieser über sogenannte internationale Plattformen von dem Gedanken leiten lassen, dass die Auseinandersetzung mit zeitgenössischer Kunst erst über die wechselseitige Durchdringung verschiedener Einflusssphären möglich sei. Enwezor brachte das Documenta-Gefühl auch nach Lagos, New-Delhi und anderswo und versuchte, die Rückkopplungen von dort zu integrieren.

Gedanken vom Perspektivwechsel radikalisiert

Dabei mutete es seit jeher paradox an, dass das Kuratorenmodell einen einsamen Spiritus rector für fünf Jahre an die Documenta-Spitze beordert, um ihn oder sie als Gebieter im Kampf mit den bösen Mächten und nervösen Märkten wirken zu lassen. Es war vor allem Enwezor zu verdanken, das Bewusstsein dafür geschärft zu haben, dass sich insbesondere auch der internationale Kunstbetrieb einer postkolonialen Verantwortung zu stellen hat. Ganz in diesem Sinne war wohl auch die Aktion des chinesischen Künstlers Ai Weiwei auf der Documenta 12 zu verstehen, 1000 seiner Landsleute als Gäste nach Kassel zu holen. Kunst kann Menschen bewegen, so oder so.

Die Documenta 14 von Szymczyk hat diesen Gedanken vom Perspektivwechsel weiter radikalisiert und mit der Verlagerung der Documenta nach Athen auf Europa zurückgeworfen. Es wäre gewiss eine allzu naive Annahme gewesen, dies von einem wie Szymczyk in einer gefälligen Form serviert zu bekommen.

Die kulturpolitische Institution Documenta steht nun vor einer gewaltigen Umstrukturierung. Diese dürfte zunächst das Kostenmanagement betreffen. Es wird nicht länger möglich sein, dass eine über Jahre vorbereitete Veranstaltung dieser Größenordnung ohne ein funktionierendes Controlling vonstattengeht.

Das klingt wie eine hohle Managerphrase, aber auch ein so idealistisches Unterfangen wie die Documenta ist nicht zuletzt ein wirtschaftliches Unternehmen, in dem vermutlich weit mehr Geld in organisatorische und sicherheitsrelevante Maßnahmen fließt als in die künstlerische Produktion. Dass sich Künstler und Kunstvermittler bisweilen wie Paria am Rande eines großen Spektakels fühlen, ist eine mehr als fragwürdige Note zum laufenden Betrieb.

Die Manöverkritik, durch die die Documenta hindurch muss, sollte nicht von einer pedantischen Haushaltslogik dominiert werden. Die Documenta war ein gesellschaftspolitisches Geschenk für die noch junge Bundesrepublik, die viel zur Demokratisierung des Landes beigetragen hat. Heute noch ist sie eine große pathetische Geste im Namen der Freiheit, zu deren Entfaltung es unbedingt einer Atmosphäre des Wohlwollens und der Großzügigkeit bedarf.

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