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Die Union streitet weiter über das Ehegattensplitting für gleichgeschlechtliche Paare.

Kolumne

Rettung des Lebens zu zweit

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In Deutschland leben immer mehr Singles, es gibt weniger Ehen, und die Scheidungen nehmen zu. Was liegt da näher als eine Kampagne für das verheiratete Leben zu zweit - auch das homosexuelle?

Wenn die internationalen Börsen trudeln, Amerikaner schießwütig Amok laufen, eine Sonde auf dem Mars spazieren geht und sich deutsche Rocker in Mauselöchern verkriechen ist ohne Frage etwas los in der Welt. Und womit beschäftigen wir uns derzeit? Ob und wie sich der Staat in die private Zweisamkeit einmischt, indem er das eine Lebensmodell finanziell fördert und das andere nicht.

Seitdem kürzlich ein gutes Dutzend Christdemokraten mit dem Vorschlag anrückte, das Ehegattensplitting nicht nur heterosexuellen, sondern auch homosexuellen Paaren zuzugestehen, gibt es Gezänk. In der Union, in der Koalition und überhaupt. Kaum kam das Thema aus der Kiste wurde klar, dass es die kommenden Monate weiter köcheln wird. Schließlich geht es geht um Geld und Ideologie.

Warum sägt ausgerechnet eine schwarze Partei an den traditionellen Eckpfeilern der Gesellschaft, indem sie Lesben und Schwule wie Normalos behandeln will? Wo bleibt da das konservative Weltbild? Die Panik der Kritiker ist unüberhörbar. Dabei könnten sie völlig gelassen bleiben. Denn keinesfalls werden hier überkommene Werte zerschossen, ganz im Gegenteil. Es läuft eine konservative Offensive.

Will sich die CDU an das großstädtische Milieu ranschleichen?

Vielleicht will sich die CDU mit der Splitting-Idee ja an das großstädtische Milieu ranschleichen. Und ganz sicher muss sie sich vor der kommenden Bundestagswahl noch ein bisschen Toleranz und Weltoffenheit anpinseln, um als moderne Partei durchzugehen. Darüber hinaus droht ein Urteil des Bundesverfassungsgerichts zu Gleichstellungsfragen. Doch all dies ist unwichtig angesichts der großen Gefahr, die von der CDU erkannt und mit der Förderung der Homo-Ehe nun tapfer bekämpft wird: dass es bald keine Partnerschaft, geschweige denn Familien mehr geben wird.

Denn in Deutschland leben immer mehr Singles, es gibt weniger Ehen, und die Scheidungen nehmen zu. Das hat vor kurzem das Statistische Bundesamt mittels seines Mikrozensus 2011 ermittelt. Fast jeder Fünfte wohnt allein. Das sind fast 16 Millionen Menschen. Und jede dritte Ehe scheitert, im vergangenen Jahr waren das knapp 190.000. Neue Höchststände und weitere Gründe, Alarm zu schlagen. Schließlich ist ja bekannt, wohin soziale Vereinzelung führt: zu Depression und insbesondere bei Männern zum Suff.

Kampagne für das Leben zu zweit

Was liegt da näher als eine Kampagne für das verheiratete Leben zu zweit? Wenn die Heteros schmählich versagen, sollen eben die Schwulen und Lesben ran. Denen muss man die Ehe nur richtig schmackhaft machen, viele wollen dann sogar Kinder. Zudem bringt das Steuer-Splitting vielleicht auch Homosexuelle dazu, sich endlich in der Partnerschaft steinzeitlich einzurichten und das Versorgermodell zu akzeptieren.

So lässt sich die Hausfrauenehe mitsamt der Idee vom Haupt- und Nebenverdiener sehr nett auf neue Bevölkerungskreise übertragen und für die Zukunft zementieren. Das bringt den konservativen Wertekanon so richtig in Schwung!

Selbst Familienministerin Schröder kann endlich mal profitieren. Die CDU-Frau hat sich, da sie alles befürwortet, was der Männergesellschaft nutzt, der Splittinginitiative angeschlossen. Bekanntlich ist die Politik der Ministerin für die heterosexuellen Frauen im Land ein unendliches Übel. Sollten ihr jetzt nicht wenigstens die Lesben und Schwulen mal dankbar sein?

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