Kippa-Tag

Rettet die Kippa vor politischen Übergriffen!

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Ganz Frankfurt soll heute Kippa tragen und sich mit der religiösen Kopfbedeckung mit hier lebenden Juden solidarisieren. Der Tag ist aber auch ein politischer in Israel. Deshalb ein Kommentar.

Stadtkämmerer Uwe Becker (CDU) hat es zweifelsohne gut gemeint. Er wollte ein Zeichen der Solidarität mit den jüdischen Bürgern in Frankfurt und Rhein-Main setzen und erklärte den heutigen Montag zum Kippa-Tag. Ausgerechnet heute, da Israel den 70. Tag seiner Staatsgründung feiert. Eine heikle Terminierung dieser Solidaritätsgeste, die damit nicht nur den hiesigen Juden, sondern auch dem politischen Staat Israel den Rücken stärkt.

Das mag sich für so manchen Juden, der in Deutschland und eben nicht in Israel lebt, als einen Bärendienst erweisen. Schließlich schleudern Israel-Feinde auf offener Straße ihren Hass gegen Netanjahus Politik allzu oft und undifferenziert Kippa tragenden Juden entgegen, deren prompter Hinweis, Deutscher zu sein und mit der israelischen Politik nichts am Hut beziehungsweise an der Kippa zu haben, kaum befrieden kann.

Kippa als religiöses Zeichen verkannt

Auch wenn Israels Selbstverständnis entscheidend an seiner jüdischen Imprägnierung hängt: Die Kippa steht genauso wenig für’s Israeli-Sein wie das Kreuz von Markus Söder (CSU) für’s Bayrisch-Sein. Vielmehr steht die Kippa für’s Jüdisch-Sein. Sie ist ein religiöses Symbol, das jüdische Männer an ihre „göttliche Behütung“ erinnert. Sie ist ihren Trägern heilig – so heilig, dass sie dafür zuweilen sogar das Risiko auf sich nehmen, auf deutschen Straßen für Israel-Kritik in die Mangel genommen zu werden.

Umso schlimmer, dass Becker dann auch möchte, dass auch Frauen Kippa tragen – entgegen jeder jüdischen Sitte. Der Kippa-Tag greift also zu einem religiösen Symbol mit eigener Bedeutung und funktionalisiert es als anti-antisemitisches Kampfzeichen für gesellschaftliche Schieflagen, für die deutsche Juden am allerwenigsten etwas können. Mag sein, dass sich die Jüdische Gemeinde Frankfurt deshalb nicht an der Aktion beteiligt hat.

Deren Mitglieder tragen indessen 365 Tage im Jahr die Kippa. Auch dann, wenn Israel nicht den 70. Jahrestag seiner Gründung feiert.

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