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Rein ins Netz!

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Hass und Hetze verseuchen die Debatten innerhalb und außerhalb des Internets. Was man dagegen tun kann? Auf jeden Fall nicht den Rückzug antreten. Die Kolumne.

Wenn in den sozialen Medien wie Facebook, Twitter oder Youtube politische Schlachten geschlagen werden, hat das Folgen. Von Diskussionen oder gar Debatten kann keine Rede sein, stattdessen finden verbale Gemetzel statt. Ungehemmte Aggressionen, Gewaltphantasien, Beleidigungen verdrängen jede Art von Zivilität.

Die Lügen, Verdrehungen, Bösartigkeiten vergiften nach und nach jegliche Kommunikation. Und schlimmer: irgendwie sickert dieser Stil in die Öffentlichkeit der Offline-Medien und in die Politik. Diese wiederum versucht „allen Seiten“ irgendwie gerecht zu werden und greift deren Argumentationen auf. Was die Trolle im Netz wiederum veranlasst, noch aggressiver um sich zu schlagen. Und der Kreislauf beginnt von vorn. So geschieht es jeden Tag.

Nein, das ist kein zu gleichen Teilen rechts- wie linksradikales Phänomen. Sondern ein Mittel, die Grundsätze des Universalismus zu zerstören, nach dem alle Menschen vor dem Gesetz und in ihrer Würde gleichberechtigt sind. Rechte Gruppen oder sogenannte Rechtspopulisten bauen darauf ihre gesamte Strategie und Politik auf. Und auch wenn Linksradikale oder Querfrontler so agieren, und das tun einige, dann sind sie ebenso Teil des Problems.

Radikalität und Mordphantasien sind aber keine Frage der Äquidistanz verschiedener Extreme, sondern sie sind eine Frage der Kultur. Der Menschlichkeit. Der unveräußerlichen Standards des demokratischen Gemeinwohls. Diese Schlachten im Netz kenne ich gut. Ich kenne den Impuls, auf Angriffe und Hass gereizt zu reagieren. Womöglich in gleichem Ton zu antworten. Ich ärgere mich über bewusste, gezielte Lügen, die mich persönlich betreffen.

Das alles soll, das weiß ich, öffentlich Personen einen fetten Stempel aufdrücken, um sie zu diskreditieren. Und manchmal wird daraus eine regelrechte Fatwa, eine öffentliche Aufforderung, diesen Personen etwas anzutun. Ja, das gibt es auch von militanten Rechten und nicht nur bei Islamisten. Was hilft dagegen?

Das Netz verlassen, wie es Robert Habeck tat? Nein, im Gegenteil. Demokraten dürfen sich nicht vertreiben lassen. Auch nicht aus der digitalen Welt.

Sie sollten sich nicht als Opfer fühlen, sondern Ruhe bewahren, sich nicht treiben oder provozieren lassen. Bei ihren Haltungen bleiben, Diskussionen führen, wenn es möglich ist. Deutschland ist digital unterentwickelt. Dem begegnet man nicht durch Rückzug. Sondern dadurch, ein Menschenbild zu verteidigen, das niemanden ausschließt, das nicht rassistisch kategorisiert oder mit antisemitischem Mist die Welt erklären will. Wie soll man dieses der Demokratie zugrundeliegende Menschenbild verteidigen, außer es eben zu verteidigen?

Digitale Bildung, das Erkennen von Hassstrategien im Netz, Kompetenzen in einer sich verändernden Debattenkultur – das sind einige der notwendigen Werkzeuge, um sich heute auszutauschen. Das Netz ist wichtig, es ist unverzichtbar. Und wenn man so will, offenbart es auch eine furchtbare Realität, die viele sehr lange Zeit nicht wahrhaben wollten.

Rechtsextremismus war lange ein Thema. In der digitalen Welt spüren es nun alle. Dass es so ist, finde ich furchtbar. Doch dass sich jetzt mehr Menschen dessen klarwerden, ist gut. Also nicht Rückzug ist angesagt. Sondern ein klares und deutliches „Rein ins Netz“!

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