Gastbeitrag

Regelt den Wettlauf um Metalle

Die Lieferketten von Kupfer und Zink sind teils korrupt und lebensbedrohlich. Das muss Politik und Wirtschaft ändern - auch in Deutschland.

Heute treffen sich Firmen, Regierungsvertreter und die Zivilgesellschaft in Berlin, um über Deutschlands „Rohstoffhunger – Rohstofffluch?“ zu diskutieren. Doch wie werden die im Fokus dieser Diskussion stehenden Rohstoffe abgebaut und gehandelt? Der Übergang zu einer grünen Wirtschaft mit rohstoffreichen und kohlenstoffarmen Technologien bringt die Welt an den Rand eines Wettlaufs um Metalle.

Letztes Jahr sagte die OECD (Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung) voraus, dass sich der Einsatz von Metallen bis zum Jahr 2060 weltweit verdreifacht haben wird. Und wie der „Wettlauf um Afrika“ bei der letzten Jahrhundertwende, setzt sich die aktuelle Ressourcenjagd in einem wirtschaftlichen System fest, das das Leid und den Zerfall eines Teils der Welt gern in Kauf nimmt, wenn dadurch der Wohlstand in einem anderen gefördert werden kann.

Der katastrophale Dammbruch des Konzerns Vale tötete 300 Menschen in dem brasilianischen Dorf Brumadinho, während in der Demokratischen Republik Kongo durch die in den Kupfer- und Kobaltminen betriebene Korruption der Staatskasse viel Geld entgeht. Solche Zwischenfälle stellt die Frage nach der Verantwortung deutscher Firmen, deren Geschäfte sich zum Teil auf die Nutzung von Metallen aus diesen Quellen gründen.

2017 befand sich Deutschland weltweit unter den Top-10-Importeuren von Kupfer, Aluminium, Zink und Blei (UN Comtrade). Zudem wird durch die wachsende Bevölkerungen und durch Regierungen, die sich auf den Übergang zu einer kohlenstofffreien Zukunft vorbereiten, die Nachfrage nach Metallen unaufhaltsam größer. Doch was geht inmitten dieses Wechsels zu einer grünen Industrie eigentlich hinter den Kulissen vor?

Globale Metall-Lieferketten sind echte Phänomene – sie bringen Minerale und Metalle aus den entlegensten Ecken des Planeten zu Fertigungs- und Handelszentren, die uns mit den Metallen für unsere Krankenhäuser, Fahrzeugmotoren und Flugzeugrümpfe versorgen. Was sich allerdings auf der Schattenseite dieser Liefernetzwerke abspielt, ist nicht immer schön.

Die Rechte von Umweltschützern werden regelmäßig verletzt – manchmal verlieren sie ihr Leben – und die Korruption innerhalb der Lieferkette von mineralischen Rohstoffen sorgt oft für zivile Konflikte. Dennoch verschließen jene Firmen, die solche Praktiken identifizieren und angehen sollten, davor die Augen und geben sich teurer Schönmalerei hin, die in der Praxis fast nichts ändert.

Ein verantwortungsbewusstes Beschaffungsverfahren erfordert tatsächliche Änderungen in Bezug auf die Art und Weise, wie notwendiges Material beschafft wird, und die Verantwortung dafür zu übernehmen, wie es abgebaut und gehandelt wird. Aber derart wichtige Aktionen sind selten. Ob es nun der von der Taliban finanzierte Talk-Handel in Afghanistan ist oder der korrupte Handel mit Kupfer im Kongo, die Belieferung mit metallischen und mineralischen Rohstoffen bleibt erbarmungslos, unethisch und größtenteils unkontrolliert.

Aber die Dinge ändern sich, wenn auch langsam. Kürzlich veröffentlichte Pläne über eine Einführung der Sorgfaltspflicht bei Menschenrechten für deutsche Unternehmen sind eine willkommene Entwicklung. Viele von uns warten auf die Ergebnisse des deutschen Nationalen Aktionsplans – wenn Firmen es versäumen, im Rahmen dieses Plans komplett und detailliert Bericht zu erstatten, hat sich die Regierung dazu verpflichtet, rechtliche Schritte einzuleiten. Aber wir können noch mehr tun.

Unternehmen, die Minerale und Metalle importieren und nutzen, müssen sich in Einklang mit weltweit anerkannten internationalen Normen und Rahmenstrukturen daran halten und zur Verantwortung gezogen werden, wenn sie es nicht tun. Die Bergbaufirmen, Metallhändler und Banken, die von den Ressourcen unseres Planeten profitieren, müssen über ihre Rhetorik zum Thema verantwortungsbewusste Beschaffung hinausgehen.

Mit den Worten von Maria Sertã Mansur, einer Repräsentantin der Gemeinschaften, die von dem Vale-Dammbruch betroffen waren: „Wenn solche Dinge passieren, müssen wir die Kette erkennen, die uns verbindet. (...) Wenn ihr Minerale von Orten kauft, wo Menschenrechte verletzt werden, dann seid ihr dafür verantwortlich. Dies sind keine Unfälle. Sie sind ein Ausdruck dafür, dass das System versagt hat.“

Solange Unternehmen es nicht schaffen, grundlegende Untersuchungen zu den unmittelbaren Auswirkungen ihrer Praktiken und der von Unternehmen in ihrer Lieferkette durchzuführen, werden diese Systemfehler weiter bestehen. Deutsche Unternehmen haben heute die Möglichkeit, eine neue Ära in Sachen Ethik in der deutschen Industrie einzuläuten.

Sophia Pickles untersucht Lieferketten für Global Witness, eine internationale Nichtregierungsorganisation.

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