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Die Globalisierung hat die Welt verändert - für viele Menschen zum Vorteil.
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Die Globalisierung hat die Welt verändert - für viele Menschen zum Vorteil.

Globalisierung

Recht behalten um jeden Preis?

  • Anetta Kahane
    VonAnetta Kahane
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Rechtspopulisten und Fundementalisten wettern gegen die Globalisierung. Was sie nicht wahrhaben wollen: Für viele Menschen hat sich eine Menge verbessert. Die Kolumne.

Die Welt entwickelt sich. Und das tut sie nicht nur in den Industriestaaten. Diese Erkenntnis sollte eine Binse sein, doch die meisten Menschen pflegen ein Bild von den Zuständen jenseits des eigenen Horizonts, das sich umgekehrt proportional zur Wirklichkeit verhält. Sie sehen da draußen nur Krieg, Überbevölkerung, Armut und Katastrophen. Sind diese Annahmen richtig? Stimmt die gängige Welterklärung, dass die Reichen immer reicher und die Armen immer Ärmer werden? Dass alles immer und immer schlimmer wird? Die Antwort ist so einfach wie unpopulär: Nein, es stimmt nicht! Internationale Daten und Statistiken, über lange Zeit gesammelt und ausgewertet, sagen genau das Gegenteil.

An dieser Stelle möchte ich dem im Februar verstorbenen Hans Rosling aus Schweden danken. Er war Sozialmediziner und hat mir wie vielen anderen sehr beim Nachdenken über die Welt und unsere Probleme geholfen. Seine animierten Statistiken, die überaus klare und witzige Sprache seiner Vorträge zeigen die Welt in weit besseren Licht, als es Kulturpessimisten aller politischer Richtungen wahrhaben wollen. Sie brauchen die depressive, düstere Sicht auf das Globale, um Ängste zu mobilisieren und damit ihre jeweiligen Ideologien zu begründen. Sie machen es wie in der Werbung – eine Gefahr wird aufgeblasen, die allein dadurch abgewendet werden kann, dass man das Produkt kauft. Rosling hat einen Kampf gegen Ignoranz geführt. Er behauptete immer, schwedische Studenten wüssten von der Welt weniger als Schimpansen, denn die hätten bei der zufälligen Auswahl zwischen Fakten wenigstens zu 50 Prozent recht, die Studenten lagen weit darunter. Auf seiner Seite gapminder.org sind alle Fakten zu finden. Ich kann sie nur dringend empfehlen.

Es mag an der Berichterstattung liegen, die sich international meist nur für Katastrophen interessiert. Sicher gibt es Hunger, Krieg und Flucht. Aber eben nicht nur. Umgekehrt proportional bedeutet: Heute leben mehr Menschen in der Mittelschicht als in Armut. In den letzten 20 Jahren hat sich die Zahl der extrem Armen halbiert, weniger Kinder pro Frau werden geboren, die Lebenserwartung ist gestiegen und 80 Prozent der Mädchen gehen zur Schule! Und das bei wachsender Weltbevölkerung, denn die Menschen leben jetzt länger. Die Globalisierung hat Milliarden Menschen aus der Armut geholfen. Diese Entwicklung grundsätzlich zu kritisieren ist also zutiefst rassistisch! Denn es ist nicht besser, arm zu sein, statt „ausgebeutet“. Und es ist kein Privileg der Familien in Industrieländern, statt im Fluss in einer Waschmaschine zu waschen. Oder motorisiert mobil zu sein.

Wem die Welt hierzulande egal ist, Hauptsache es kommen keine Flüchtlinge mehr, hat weder ein Herz noch einen wachen Verstand. Fluchtursachen wird es auch in absehbarer Zeit noch geben. Dennoch ist Flucht insgesamt nur ein Element unserer globalen Gegenwart. Die Welt ist durchlässiger geworden, humaner, globaler, mobiler, besser – trotz aller Probleme. Das gleiche gilt für Deutschland: Es ist liberaler, offener und emanzipierter in jeder Hinsicht. Gegen beides wehrt sich die Internationale der Fundamentalisten und Populisten. Sie brauchen die Ängste davor. Sie fürchten die Zuversicht. Sie wollen nicht, dass es allen bessergeht. Sie wollen nur Recht behalten. Um jeden Preis.

Anetta Kahane ist Vorsitzende der Amadeu-Antonio-Stiftung.

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