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Vom Recht aufs Surfen

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Und was hat das mit dem bedingungslosen Grundeinkommen zu tun? Eine Buchbesprechung.

Die Idee des bedingungslosen Grundeinkommens ist das regulierende Grundprinzip unserer Gesellschaft. Wir nennen es Erbrecht. Wer die richtigen Eltern hat, dem ist ein Grundeinkommen garantiert, gleichgültig, was er beziehungsweise sie tut oder nicht tut. Diese Form des bedingungslosen Grundeinkommens wird seit Jahrtausenden fast stets akzeptiert. Übrigens: Früher konnte auch nur wählen und gewählt werden, wer die richtigen Eltern hatte.

Unsere aktuelle Debatte um das „bedingungslose Grundeinkommen“ leidet ein wenig darunter, dass sie diese Grundgegebenheiten übersieht. Philip Kovce befürwortet ein bedingungsloses Grundeinkommen, Birger P. Pridatt lehnt es ab. Beide lehren an der Universität Witten/Herdecke. Zusammen haben sie einen dicken Reader herausgegeben, der mit einem Auszug aus Thomas Morus’ „Utopia“ von 1516 beginnt und mit Claus Offes „Das bedingungslose Grundeinkommen als Antwort auf die Krise von Arbeitsmarkt und Sozialstaat“ von 2009 endet.

Dazwischen tummeln sich der Schwiegersohn von Karl Marx, Paul Lafargue, der dem „Recht auf Arbeit“ der Sozialisten sein kräftig provozierendes „Recht auf Faulheit“ entgegensetzte; Ralf Dahrendorf, der erklärte: „Wer Arbeit und Einkommen entkoppeln will, muss ein möglichst hohes Mindesteinkommen fordern. Wer nur die Vereinheitlichung der Skalen in einem einzigen (positiven und negativen) Steuersystem will, kann so herzlos oder sozial sein, wie er will“; weiter: Keynes, Arendt, Beuys und so weiter.

Der belgische Philosoph und Ökonom Philippe Van Parijs brachte es 1989, kurz vor dem Zusammenbruch des „Sozialismus“, auf den Punkt: „Warum Surfer durchgefüttert werden sollten – Liberales Plädoyer für ein bedingungsloses Grundeinkommen.“

Er widersprach damit einem hawaiianischen Senator, der sich gegen die Surfer ausgesprochen hatte, die in den US-Staat kamen, um dessen großzügige Sozialgesetzgebung auszunutzen. „Parasiten im Paradies darf es nicht geben“, hatte er erklärt.

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