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Proteste gegen Rechtsextremismus und Fremdenhass: Hupen oder eben lachen.

Anetta Kahane über Rassismus und Respektlosigkeit

Rassismus und Respektlosigkeit: Nur als Soap erträglich

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Wenn Menschen abgewertet oder respektlos behandelt werden, ist das manchmal nur auszuhalten, wenn wir uns die Szene als Teil einer Comedy-Serie vorstellen. Die Kolumne.

Wir treffen uns seit fast 18 Jahren regelmäßig bei Dada Falafel, unserem Lieblingsaraber in Berlin Mitte. Meine Freundin Heike Radvan wärmt ihre Hände am Teeglas und lächelt, wenn ich sie frage, was so passiert ist. Ihr bescheidenes, feines Lächeln hat viele Facetten, mal traurig, mal empört, mal herzlich froh. Und es passiert vieles in ihrem Leben. Manche Menschen sind mit einem untrügerischem Sensorium für Abwertungen ausgestattet. Sie sieht, wenn Menschen respektlos behandelt oder beschämt werden. Deswegen hat sie Sozialpädagogik studiert und deswegen versucht sie, den Respekt im Umgang miteinander herzustellen. Inzwischen ist sie Professorin für Soziale Arbeit an der Universität in Cottbus.

Es gibt eine Art Lächeln, das einen dicken Klops ankündigt. Klöpse sind in unserer Sprache Dinge, die Leute tun und damit gegen jede Regel des Respekts verstoßen. Wenn bei einem Vortrag aus dem Publikum rassistische Sprüche kommen und der Moderator damit kein Problem hat. Wenn Studentinnen belästigt werden und das für normal gehalten wird. Wenn in der Stadt Bürgerdialoge abgehalten werden und mit allen gesprochen wird, nur die Geflüchteten oder andere nicht-deutsch Aussehende außen vor bleiben. Heike Radvans Lächeln ist etwas düster, sobald sie solche Geschichten zu erzählen beginnt.

Lachen, weil es so absurd ist

In den 18 Jahren, in denen wir solche Geschichten miteinander teilen, haben wie gelernt, wie wir sie ertragen können. Zu Nana-Tee und Tabuleh machen wir daraus eine Soap. Wir stellen uns vor, diese Situationen sind Teil einer Comedy-Serie, die einem Publikum vorgeführt wird. Eine Karikatur der Realität, eine überzogene Wirklichkeit, eine maßlose Übertreibung mit Pointen. Das Publikum kann darüber nur lachen, weil es diese Geschichten für total absurd hält.

Wie sollte man nicht lachen, wenn ausgerechnet ein rechtsradikaler Heimatverein eingeladen wird, um in der Stadtgesellschaft über Demokratie zu diskutieren? Oder wenn Verantwortliche der Stadt aufmerksam, vielleicht sogar nickend zuhören, wenn die Völkisch-Autoritären öffentlich mit Verschwörungstheorien um sich schlagen? Das hat doch etwas Komisches.

Wenn wir uns solche Soaps vorstellen, dann, weil geballte Erlebnisse dieser Art kaum anders auszuhalten sind. Aber sie dienen auch dazu, die Koordinaten wiederzufinden von dem, was in einer Demokratie eigentlich die Norm sein sollte. Und auf diese amüsante Weise entstehen so auch einige wirklich gute Ideen für soziale Arbeit in dieser schwierigen Zeit.

Heike Radvan hat nicht nur durchgehalten, sondern die Theorie der sozialen Arbeit weiterentwickelt. Sie forscht zu den Themen Rechtsextremismus und welche Rolle Frauen hier spielen. Sie hat zu Antisemitismus bei Sozialpädagogen, zu Rechtsextremismus und Fragen des Umgangs mit Nazi-Familien geschrieben und denkt über ethische und politische Probleme in der Lehre nach.

Ihr Lächeln war etwas ungläubig, als sie nun unter großem Beifall den renommierten Alice Salomon Award bekommen hat. Ich gratuliere von Herzen!

Anetta Kahane ist Vorsitzende der Amadeu-Antonio-Stiftung.

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