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Auftritt vor den UN - alle Augen richten sich auf den US-Präsidenten.

Donald Trump

Raketenmann und lose Kanone

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Trumps Rede war auf eine beunruhigende Weise unernst und maßlos. Und sein Versuch, Nordkorea und den Iran als Schurkenstaaten auf eine Stufe zu setzen, ist gefährlich. Ein Kommentar.

Elton John kann nichts dafür. Offenbar mag Donald Trump dessen Song „Rocket Man“. Noch mehr aber gefällt dem amerikanischen Präsidenten sein eigener Witz, diesen Titel für den nordkoreanischen Machthaber Kim Jong-Un zu verwenden. Also hat er den müden Kalauer vor den Vereinten Nationen noch einmal wiederholt und nebenbei dem ganzen kommunistischen Land mit der „totalen Zerstörung“ gedroht, falls es eine Rakete auf die USA oder ihre Verbündeten abfeuern würde.

Das Nebeneinander von lockerem Scherz und bombastischer Vernichtungsdrohung illustriert das Dilemma des ersten Auftritts von Trump vor den Vertretern der Weltgemeinschaft. Wer will, mag positiv vermerken, dass der US-Präsident nicht polterte, die Vereinten Nationen nicht frontal anging und auch nur indirekt mit einer Kürzung der Zahlungen drohte. Trotzdem war seine Rede auf eine beunruhigende Weise unernst und maßlos. Völlig zurecht hatte UN-Generalsekretär Antonio Guterres kurz zuvor gewarnt, maßlose Rhetorik bringe im Umgang mit Nordkorea nichts und erhöhe höchstens die Gefahr einer gefährlichen Eskalation.

Trump gefiel sich trotzdem in der Macker-Pose, ohne eine realistische Handlungsoption zu besitzen, die nicht das Leben von zigtausend Menschen im verbündeten Südkorea aufs Spiel setzen würde. Auch hatte Guterres den gefährlichen Klimawandel thematisiert. Trump hat angekündigt, das weltweite Paris-Abkommen aufzukündigen. Vor den Vereinten Nationen war ihm das Thema kein einziges Wort wert.

Gefährlich ist auch Trumps Versuch, Nordkorea und den Iran als Schurkenstaaten auf eine Stufe zu setzen. Man muss die Mullahs in Teheran wahrlich nicht mögen. Doch bislang gibt es keine Belege dafür, dass sie gegen das Atom-Abkommen verstoßen. Wenn Trump nun gleichwohl den zwei Jahre alten Deal in die Tonne treten will, spielt er damit nicht nur den Hardlinern im Iran in die Hände. Auch Kim Jong-Un wird dadurch sicher nicht motiviert, sein wahnwitziges Aufrüstungsprogramm zugunsten einer wenig verlässlichen Verhandlungslösung zurückzustellen. Der skrupellose „Raketenmann“ ist brutal, aber auf seine Weise durchaus rational. Trump hingegen agiert wie eine lose Kanone.

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