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Einige kleben sich einen Saugnapf auf die Stirn - die meisten gebrauchen ihn hingegen in der Küche als Häkchen.
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Einige kleben sich einen Saugnapf auf die Stirn - die meisten gebrauchen ihn hingegen in der Küche als Häkchen.

Weihnachten

Das Rätsel um die Saugnapfhäkchen

  • Michael Herl
    VonMichael Herl
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Wenn in der Küche an einer Befestigungsmöglichkeit plötzlich nichts befestigt ist, kommt man ins Grübeln. Was zum Teufel war da mal und ist nicht mehr? Die Kolumne.

Eigentlich braucht man zum Kochen ja nicht viele Gerätschaften. Genaugenommen reichen ein Brett und ein Messer, sieht man einmal von Töpfen und Pfannen ab. Damit kann man Braten jedweder Art zubereiten, Nudeln und alle Soßen dieser Welt, man kann jeden erdenklichen Eintopf kochen und natürlich Fische, Wurzeln und Meeresfrüchte. Selbst Milchreis geht. Da drängt sich natürlich die Frage auf, warum die Menschen so viele Gerätschaften besitzen. Womöglich, weil sie in ihren Luxusküchen so viel Platz haben. Wahrscheinlich aber, weil sie sowieso nicht kochen. So merken sie gar nicht, wie viel überflüssiger Tand sie von der eigentlichen Arbeit abhalten würde.

Ich meine übrigens nur manuell zu bedienende Geräte. An Elektrisches will ich gar nicht erst denken. Ich persönlich besitze mehr als ein Messer und ein Brett, das muss ich gestehen. Ich habe in meiner Küche etliche Nägelchen in den Wänden sowie an den glatten Flächen so Saugnäpfchen mit Häkchen dran. Insgesamt ein rundes Dutzend Befestigungsmöglichkeiten, und alle sind sie mit Dingen besetzt. Soweit so gut. Doch nun kommt ein Mysterium.

Unlängst nämlich saß ich beim gerade geöffneten Dornfelder, blies Trübsal und lauschte Thelonious Monk. Da vernahm ich aus der Küche ein leises Ploppen und gleich drauf ein kleines Gerumpel. Dann war Ruhe. Gespenstische Ruhe. Ich ging hinüber und fand auf dem Boden eines jener ansaugnapfbaren Häkchen. Es hatte sich zuvor am Kühlschrank befunden, soviel war klar. Aber was war dran gewesen? Nirgendwo lag etwas. Nicht auf dem Boden, nicht unterm Herd, nirgendwo. Doch was mag es gewesen sein? Ich sah mich um. Inspizierte all die anderen Gegenstände.

Schaumkelle, Suppenkelle, Muskatreibe, Käsereibe, Nudelzange, kleines Sieb, größeres Sieb, Schnellschäler, Trichter, kleiner Schneebesen, größerer Schneebesen. So. Aber was fehlte? Ich zermarterte mir zwei Flaschen Wein lang das Hirn, doch kam auf kein Ergebnis. Was zum Teufel war da mal und ist nicht mehr? Ich vermochte es nicht zu ergründen.

Das Ganze ist nun vier Wochen her, und was soll ich Ihnen sagen? Ich weiß es immer noch nicht. Nicht nur das, ich habe sogar nicht mal die geringste Ahnung. Ich habe in der Zeit circa 20 Mal gekocht, die Küche wurde mehrfach geputzt – nichts. Ich bereitete sogar absichtlich Gerichte diversester Provenienzen und Stilrichtungen zu, stets in der Hoffnung, mal einen Gegenstand zu benötigen, den man nicht jeden Tag braucht. Ohne Erfolg. Alles flutschte und mundete, als wäre an diesem nun leeren Haken nie was gewesen. Manchmal sind es die kleinen Dinge, die einen am Leben schier verzweifeln lassen. Gestern bei Einbruch der Dunkelheit stellte ich die Suche ein.

Sie werden sich nun denken, was will der Herl? Worauf möchte er hinaus? Sie werden grübeln und sich quälen und womöglich – je nach Gutmenschentumanteil – zu dem Schluss kommen: Bald ist Weihnachten, die Menschen suhlen sich im Überfluss und schenken sich Dinge, die vollkommen unnötig sind. Sollten wir nicht alle ein wenig innehalten? Sind Sie allen Ernstes zu diesem Schluss gekommen? Okay. Wenn Sie meinen. Ich hingegen wollte nur berichten, was mir unlängst widerfahren war. Man kann sich ja auch bei einer Kolumne mal etwas einschränken.

Michael Herl ist Autor und Theatermacher.

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