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Tausende Zuschauer beim Counter-Strike-Turnier in Köln.

Hass im Netz

Ein Hase mit rosa Punkten

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Es reicht nicht, die Radikalisierung zu verbieten, man muss sie auch präventiv bekämpfen - auch und gerade im Internet. Die Kolumne. 

Über den Bildschirm rennt ein Hase mit rosa Punkten. Bsssiuu, Bsssiuu Bsssiuu, taktaktak, kreisch, plopp – tot. Ein Befehl aus dem Off: weiterrennen! Da sind noch mehr. Du hast jetzt 200 Punkte. Wenn du einen Bonus willst, musst du 30 Ziele erwischen. Der Hase mit rosa Punkten rennt weiter. Er wird sie alle erwischen.

Egoshooter nennt man diese Spiele. Die Geschichten sind verschieden, das Ziel jedoch immer gleich: Hindernisse wegballern. Vorzugsweise Menschen. Es sind die Spieler, die ihren Spielzügen eine Bedeutung einhauchen wollen.

Das Waffengesetz zu verschärfen ist für Nazis unerheblich

Online treffen sie sich, um gemeinsam rumzuballern. Die Spiele sind martialisch, dämlich, dumpf. Die Spieler vielleicht das Gegenteil, wer weiss, aber sie lassen hier Dampf ab. Über Frauen, über Schwächlinge, über die Welt und die untergehende, weiße Herrenrasse.

Dampf. Steam. So heißt die Plattform, auf der die Onlinespiele laufen und wo in Foren dann wirklich der Dampf abgelassen wird. Dort trifft sich die Szene in Chatgruppen. Entgrenzter Rassismus, antisemitische Gewaltfantasien, Verherrlichung von Nazis, von Mördern, von Amokläufern. Man lacht sich tot über Witze, Hasen mit rosa Punkten, Memes, Andeutungen, die Vernichtungsideen propagieren.

Hass im Internet wirkt wie ein Brandbeschleuniger: Der Extremismusforscher Hajo Funke zum rechten Terror in Halle. 

Wer hier landet, ist dabei, sich zu radikalisieren. Wer hier mitmacht, ist ein Kandidat. Wer hier den Rahmen setzt, sucht nach Gleichgesinnten. Wer von hier aus zum Töten in die Offlinewelt starten will, findet Verbündete, Hilfe, Vernetzung. Das Darknet ist um die Ecke, da kann man Waffen besorgen. Echte. Die Klassiker aus Metall oder solche aus den neuesten 3-D-Druckern. Egal, ob in Neuseeland, Norwegen, den USA oder Deutschland.

Dass diese Leute sich vor den Maßnahmen der Bundesregierung gegen Hass fürchten, ist nicht anzunehmen. Das Waffengesetz zu verschärfen ist sicher sinnvoll. Für terrorbereite Nazis ist das jedoch unerheblich. Sie haben bereits Waffen, und was ihnen fehlt, gibt es um die Ecke im Darknet. Ähnlich die Maßnahmen zu strengeren Bestrafung von Hass im Netz. Das ist juristisch fragwürdig, und jenes Netz, wo verbal das Blut spritzt, bleibt für die Behörden kaum erreichbar.

Das Neun-Punkte-Programm der Bundesregierung wirkt hilflos

Außerdem können staatliche Stellen gar nicht so schnell dechiffrieren, was gerade mit Sprachsymbolen, Bildern und Andeutungen an Hass verbreitet wird. Wenn die Szene sich darauf einigt, dass der Hase mit rosa Punkten das Symbol für Judenmord ist? Was machen die Behörden dann? Die rosa Punkte zählen?

Die Strafverfolgung zu verbessern, vor allem bei Mordplänen, muss Priorität haben. Der Radikalisierung aber so beikommen zu wollen, bleibt eine Illusion. Das Neun-Punkte-Programm der Bundesregierung gegen Rechtsextremismus wirkt hilflos, als wäre noch nicht klar, was da in diesem seltsamen Internet geschieht, wie es funktioniert.

Man kann die neuen Formen der Kommunikation im Terrorismus nicht mit Maßnahmen einer vergangenen Ära bekämpfen. Das Programm der Bundesregierung sieht aus wie ein Mosaik aus passenden und unpassenden Teilen, die aber kein Gesamtbild erkennen lassen.

Hass im Internet: Auch die größten Optimisten haben erkannt, dass im Internet nicht nur Chancen lauern, sondern auch viele Gefahren. Das macht Mut für den Kampf gegen rechts.  

Dass es heute noch wichtiger ist als je zuvor, den Radikalisierungen vorzubeugen, statt sie nur verbieten zu wollen, müsste doch langsam klar sein. Die Prävention, auch im Netz, nicht mitzudenken ist so sinnvoll, wie dem Hasen mit rosa Punkten hinterherjagen zu wollen.

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