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Martin Schulz schneidet beim TV-Duell besser ab als erwartet.

TV-Duell

Punkt für Martin Schulz

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Herausforderer Martin Schulz dominiert das TV-Duell deutlich. Es wird klar, warum Merkels Berater alles daran gesetzt haben, ein weiteres direktes Aufeinandertreffen zu vermeiden. Ein Kommentar.

Dieser Punkt geht an Martin Schulz. Drei Wochen vor der Bundestagswahl hat der SPD-Kanzlerkandidat ein Duell mit der Bundeskanzlerin klar gewonnen: nicht das an der Wahlurne, aber das im Fernsehen. Schulz dominierte die Sendung deutlich ohne so breitbeinig und machohaft aufzutreten wie etwa im vergangenen Jahr sein Vorgänger Peer Steinbrück oder länger davor Gerhard Schröder.

Bei der Sozialpolitik war der Vorteil noch absehbar. Es ist das ureigene Feld der Sozialdemokraten und die Union hat etwa in der Rentenpolitik keine klare Position. Bei der umstrittenen Flüchtlingspolitik, in der Schulz von Merkels Position eigentlich gar nicht so weit entfernt ist, gelang es ihm dennoch, eine Trennlinie zu ziehen und dafür sogar CSU-Chef Horst Seehofer als Kronzeugen zu bemühen.

Angela Merkel wirkte erschöpft

Selbst in der Außenpolitik präsentierte sich Schulz zupackender – eine besonders bittere Niederlage für die Kanzlerin, die angesichts in diesem Bereich als unschlagbar galt. Merkel wirkte erschöpft, sie agierte defensiv. Die Ruhe, die Zurückhaltung, das Staatstragende, mit der die Kanzlerin länger gut gefahren ist, wandelte sich an diesem Abend in ein Korsett aus Zahlen, umständlichen Erklärungen und Nebensätzen. Schulz widersprach und machte Tempo, er war ein Herausforderer im besten Sinne.

Merkel hat bei Fernsehduellen bislang immer eher verloren, und dennoch die Wahl gewonnen. Das vierte Duell ihrer Amtszeit, um die sie sich ausgerechnet mit den Hinweis bewirbt, Lust und Neugier auf Neues zu haben, hat deutlich vor Augen geführt, warum sie dieses Format so scheut. Es hat klar gemacht, warum ihre Berater alles daran gesetzt haben, ein weiteres direktes Aufeinandertreffen Merkels mit Schulz im Fernsehen zu vermeiden. Es ist eine wirklich erstaunliche Facette dieser Kanzlerin, an der alles so abzuperlen scheint und die die unangenehmsten Staatschefs der Welt kühl parieren kann. Auch Angela Merkel zeigt ab und an mal Nerven, selbst in kritischen Situationen.

In den Umfragen lag die Union bislang scheinbar fast uneinholbar vor der SPD.

Und die Konfrontation am Sonntagabend war nur ein Fernsehduell, noch keine Wahl. Aber es war eine Chance für Schulz und er hat sie bestmöglich genutzt. 

Hinweis der Redaktion: Unsere mobile Webseite m.FR.de zeigt derzeit wegen eines technisches Fehlers ein falsches Publikationsdatum - und macht alle Texte zwei Stunden älter als sie sind. Diesen Kommentar haben wir um 22.25 Uhr publiziert - und selbstverständlich nicht etwa vor Ende der Sendung um 20.25 Uhr. 

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