Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

In Berlin laufen die Vorbereitungen für die große öffentliche Silvesterparty.
+
In Berlin laufen die Vorbereitungen für die große öffentliche Silvesterparty.

Silvester

Prosit Neujahr!

  • Klaus Staeck
    VonKlaus Staeck
    schließen

Es ist fast geschafft – oder einfach nur vorbei. Doch vor der großen Knallerei am Silvesterabend kommt noch die persönliche Jahresendabrechnung. Die Kolumne.

Es ist geschafft, oder sind sie nur vorbei: Die öffentlichen Jahresendabrechnungen, begleitet von den Ausläufern vor- und nachweihnachtlicher Rituale, den ausufernden Weihnachtsmärkten mit ihren Glühweinständen, gut besucht wie immer, von Terrorangst keine Spur. Auch alle Messen sind gelesen. Es ging wieder um die Schrecken des Krieges und die Hoffnung vom Frieden auf Erden. Wenn die Montagsmarschierer Ernst machen wollten mit der Verteidigung des christlichen Abendlandes, dann müssten die Kirchen vor dem Besucheransturm kapitulieren.

Die persönliche Bilanz des Jahres fällt bei Durchsicht meiner Kolumnen eher düster aus. Angefangen hatte es mit Saudi-Arabien. Es ging und geht um den Autoren und Blogger Raif Badawi. Sein Vergehen: Meinungsfreiheit zu fordern in einem Staat, in dem das Gerichtswesen von Religion beherrscht wird. Zwar wurde das Prügelritual nach 50 von 1000 Schlägen zunächst ausgesetzt. Doch seitdem sein Verfahren als abgeschlossen gilt, scheint jede Hoffnung auf Rettung vergebens. Stellvertretend nahm jetzt seine Ehefrau in Straßburg den Sacharow-Preis entgegen.

Die Lage des ukrainischen Filmemachers Oleg Senzow hat sich verschlechtert. Nach Putins Annexion der Krim geriet er ins Fadenkreuz russischer Verfolger. In Rostow am Don wurde er „als Russe“ im Berufungsverfahren auf Grund erpresster Anschuldigungen zu 20 Jahren Gefängnis verurteilt.

Lange war abzusehen, dass der Zustrom von Flüchtenden aus den Krisengebieten der Welt alle anderen Themen verdrängen würde. Die Beschwörungsformel der Kanzlerin führt zu vielfältiger Interpretation. Dabei geht es nicht mehr um das Ob, sondern um das Wie, wenn wir Humanität nicht im 25sten Jahr des bejubelten Mauerfalls neuen Mauern opfern wollen.

Düstere persönliche Bilanz

Unerträglich ist die wachsende Zahl von Angriffen und Brandanschlägen gegen Hilfesuchende. Die vielen Helfer, oft bis zur Erschöpfung im Einsatz, nähren dagegen die Hoffnung, dass die Demokratie noch in guten Händen ist. Das gilt es auch vor den drei bevorstehenden Landtagswahlen zu beweisen. Überlassen wir deshalb die zu erwartende fremdenfeindliche Hetze Gruppierungen wie der AfD.

Bleibt Amazon. Noch haben die Streiks nicht dazu geführt, dass der Konzern seine Beschäftigten leistungsgerecht entlohnt. Steuervermeidung und Datenklau bleiben das Geschäftsmodell. Der US-amerikanischen Nobelpreisträgers Krugman hat Recht: Amazon muss wegen seiner die Demokratie gefährdenden Machtfülle zerschlagen werden. Der Kunde ist mitschuldig. Ohne ihn würde das Machtkonglomerat mit Weltraumphantasien kollabieren.

Auf den Terror von Paris folgte immerhin die globale Verabredung, es noch einmal zu versuchen, die Klimakatastrophe abzuwenden. Dazu passt ein TV-Beitrag der ARD. Berichtet wurde von einer fassadenfüllenden Lichterinstallation. Ein junger Mann schwärmte, er habe 46 000 Glühlampen verbastelt und plane für 2016: noch größer, noch schöner.

Derweil bereiten sich Feuerwehren und Notaufnahmen der Welt auf ihre finalen Einsätze vor. In Anbetracht der Silvesterknallereien haben die Berliner Brandschützer schon vor drei Jahren erklärt, dass sie den Glauben an das Prinzip AUFKLÄRUNG aufgegeben haben. So viel zum Thema Vernunft. PROSIT NEUJAHR!

Klaus Staeck ist Grafiker.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare