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Die deutsche Flagge neben der der Afrikanischen Union.
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Die deutsche Flagge neben der der Afrikanischen Union.

Vor dem G20-Treffen

Die Probleme Afrikas angehen

  • Johannes Dieterich
    vonJohannes Dieterich
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Die Bundesregierung will beim G20-Gipfel Afrika helfen. Das kann nur gelingen, wenn die Probleme des Kontinents auch angegangen werden. Der Leitartikel.

Afrika pflegte alle paar Jahre mal wie ein ungeliebter Gast in die behütete deutsche Öffentlichkeit zu platzen. Hilfsorganisationen versuchen dann auf den vernachlässigten Erdteil aufmerksam zu machen, Redaktionen räumen dem Kontinent eine Sonderseite ein und die Bundesregierung drückt ihre Solidarität mit den Sorgenkindern im Hinterhof unseres Globus aus. Auch dieses Jahr ist es wieder so weit: Doch dieses Mal hat Berlin dem Erdteil sogar einen ganzen G20-Gipfel gewidmet.

Das Interesse ist aus gutem Grund erwacht. Denn den Deutschen und ihrer Kanzlerin ist der Schrecken in die Glieder gefahren. Inzwischen ist klar, dass es mit gelegentlichen Gesten nicht mehr getan ist: Wenn nichts Entscheidendes passiert, werden die Migrationsströme immer mächtiger werden.

Experten rechnen vor, dass in drei Jahrzehnten 2,5 Milliarden Afrikaner ein Fünftel der Weltbevölkerung ausmachen werden: Dann sind auf dem darbenden Kontinent jährlich mehr als zwanzig Millionen neue Jobs nötig, um die jungen Erdteilbewohner in ihrer Heimat zu halten.

Kein Wunder, dass in Berlin die Warnleuchten glühen. Gleich drei Ministerien sind derzeit damit beschäftigt, Strategien zur Stützung des berüchtigten K-Kontinents – der Krisen, Kriege und Krankheiten – zu entwerfen. Der Minister für wirtschaftliche Zusammenarbeit träumt von einem „Marshall-Plan mit Afrika“, die Wirtschaftsministerin schleudert dem Schreckgespinst ein trotziges „Pro! Afrika“ entgegen und der Finanzminister hält auf gut Englisch einen „Compact with Africa“ für nötig. Während Gerd Müller alten Wein in neue Schläuche füllt und Brigitte Zypries von hochrangigen Gremien und einem „Afrikalotsen“ schwadroniert, gilt Wolfgang Schäubles „Pakt mit Afrika“ mit gutem Recht als Favorit des interministeriellen Wettkampfs.

Zumindest hat der Finanzminister seine Hausaufgaben gemacht. Er hat den Plan bereits mit seinen Kollegen aus den G20-Staaten abgestimmt, die Weltbank und den Währungsfond einbezogen und schlägt außerdem eine Konzentration auf ausgewählte Staaten vor.

Deutschland hat sich Tunesien, Ghana und die Elfenbeinküste ausgesucht; andere Musterknaben sollen Ruanda, Marokko, Senegal und Äthiopien sein. Dahinter verbirgt sich die Erkenntnis, dass es sich bei Afrika nicht um ein homogenes Gebilde, sondern um ein Sammelsurium handelt – an Staaten, in denen Bürgerkriege herrschen oder in denen alle vier Jahre gewählt wird, in denen die Menschenrechte mit Füßen getreten werden oder in denen neue Wirtschaftsbereiche entstehen, in denen Hunger herrscht oder in denen ein junger Mittelstand sprießt.

Afrika im Detail zu sehen, ist deutschen Regierungen bislang immer schwergefallen: Schließlich konnte man sich nicht wie Frankreich, England oder Portugal auf alte Kolonialgebiete stürzen. Wenn Schäubles Pakt erreicht, dass der Westen den Kontinent nicht mehr in alte koloniale Einflussgebiete zerteilt, sondern sich gezielt aussichtsreichen Partnern widmet, dann wäre schon ein erster Erfolg erzielt.

Zu Recht legt Schäuble auch Wert darauf, dass weniger Entwicklungshilfe als Investitionen der Privatwirtschaft gefördert werden sollen: Ein halbes Jahrhundert am Tropf der Solidaritätsabgabe hat in Afrika vermutlich mehr Schaden angerichtet als Nutzen gebracht. Wenn aus dem Kontinent etwas werden soll, muss er in die globale Ökonomie eingebunden werden: Arbeitsplätze, die chinesische Unternehmen zunehmend ins Ausland verlagern wollen, könnten ein Anfang sein. Im „Musterland“ Äthiopien funktioniert das bereits.

Ob die notorisch vorsichtige deutsche Wirtschaft ihre bisherige Skepsis gegenüber dem Krisenkontinent überwindet und sich zu Investitionen in den Musterstaaten aufschwingt, wird allerdings in erster Linie von den afrikanischen Regierungen abhängen. Reitet ein Staatschef wie Jacob Zuma sein Land in den Ruin, muss er sich nicht wundern, dass ihm Investoren die kalte Schulter zeigen, genau wie von keinem vernünftigen Menschen erwartet werden kann, dass er sein Geld im Südsudan oder in der Zentralafrikanischen Republik anlegt.

Afrikas Präsidenten pflegen das wählerische Verhalten der Investoren als Einmischung in innere Angelegenheiten zu kasteien: Das populistische Manöver wird von einer zunehmenden Zahl an Afrikanern durchschaut. Ihnen zuliebe muss der Pakt wählerisch sein – Nothilfe im Krisenfall natürlich ausgeschlossen.

Schäubles Pläne könnten der deutschen Afrikapolitik tatsächlich aus den Kinderschuhen helfen. Endlich wird sich Berlin auf dem Nachbarkontinent die Finger schmutzig machen müssen: Ausländische Staatschefs kritisieren, deutsche Unternehmen überzeugen, die Korruption bekämpfen und mit der Bevölkerung in Kontakt treten, um herauszufinden, was ihnen fehlt und was ihre Ambitionen sind. Kurz gesagt: sich engagieren. Jahrzehntelang hielt sich Deutschland in Afrika – angeblich vornehm – zurück. Wenn Wolfgang Schäuble das ändern kann: viel Glück!

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