Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Pro und Contra

Pro: Kirche und Staat getrennt - auch beim Geld?

Dr. Carsten Frerk ist Experte für Kirchenfinanzen und Beirat der Giordano-Bruno-Stiftung. Er hält die staatliche Finanzierung für überholt und fordert ihre Abschaffung.

Von Carsten Frerk

Fragt man zweifelnde Christen, warum sie noch Mitglied der Kirche sind, bekommt man oft die Antwort: „Weil die Kirchen so viel Gutes tun.“ Ihnen ist offensichtlich nicht bekannt, dass von den Kosten für Caritas und Diakonie nur weniger als zwei Prozent von den Kirchen finanziert werden. Fragt man Passanten in Köln, wer das Gehalt des Erzbischofs bezahlt, sagen so gut wie alle: „Die katholische Kirche“, da sie nicht wissen, dass er aus Steuergeldern besoldet wird.

Die Informationen zum Thema Kirche und Geld sind nur den wenigsten bekannt und insofern war die Aufregung um den Neubau von Limburg – und dass die Kosten aus dem Vermögen des Bischöflichen Stuhles finanziert wurden – zwar nicht sachbezogen, aber verständlich.

Die Darstellung, dass die Kirchen „wesentliche Stützen der Gesellschaft“ seien, hat sich mittlerweile historisch erledigt. Nur noch rund 20 Prozent der Bevölkerung bezeichnen sich selbst als gläubige Christen, und der größte Teil dessen, was den Kirchen als Leistung zugeschrieben wird, wird öffentlich finanziert – und nicht von der Kirche.

Der historische Wandel zeigt sich beispielsweise in der Absetzbarkeit der gezahlten Kirchensteuer von der Lohn- beziehungsweise Einkommenssteuer. Begründet wird diese Privilegierung, durch die Bund und Länder auf rund drei Milliarden Steuereinnahmen verzichten, als Ausgleich und Anerkennung der kirchlichen karitativen Leistungen.

Das war 1950 oder auch 1960 noch richtig, als es beispielsweise noch die kirchlichen Gemeindekrankenschwestern gab, die von den Kirchengemeinden finanziert wurden. Diese Arbeiten liegen heute bei den Sozialstationen von Caritas und Diakonie und werden öffentlich finanziert. Insgesamt gibt die Kirche nur noch rund 800 Millionen Euro zu den Kosten (45 Milliarden Euro) ihrer Wohlfahrtsverbände dazu.

Würde die öffentliche Hand alle kirchlichen Einrichtungen des Gesundheits- und Sozialwesens in öffentliche Regie übernehmen, dann hätten Bund und Länder ein Plus in der Größenordnung von 2,2 Milliarden Euro. Die Kirchen kosten also in dieser Hinsicht mehr als sie leisten. Diese „Caritas-Legende“ – bereits vor 30 Jahren von Professor Horst Herrmann so benannt – findet ihre Entsprechung in zahlreichen anderen öffentlichen Finanzierungen. Rechnet man alles zusammen, was aus Steuergeldern zugunsten der Kirchen, ihrer Einrichtungen und Mitglieder aufgewendet wird, kommt man auf rund 20 Milliarden Euro im Jahr. Gezahlt auch von Konfessionsfreien, Muslimen, Buddhisten und anderen.

Das alles hat genauso wenig Transparenz wie das Vermögen der Bistümer und Landeskirchen, von dem Vermögen der Bischöflichen Stühle und Domkapitel ganz zu schweigen. Im „Fall Limburg“ ist dabei völlig aus dem Blick geraten – oder gar nicht erst wahrgenommen worden –, wie unterschiedlich die Vermögensverteilung innerhalb der Kirchen selber ist. Wie erklärt sich die Diskrepanz zwischen den dreistelligen Millionenvermögen der Bistümer wie Landeskirchen und bettelarmen Kirchengemeinden, wo notwendige Investitionen schon an ein paar fehlenden Tausendern scheitern?

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare