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Das sah bei Churchill souveräner aus.
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Das sah bei Churchill souveräner aus.

Pegida Sigmar Gabriel

Der Privatmann von der SPD

  • VonDaniel Haufler
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Sigmar Gabriel und seine Begegnung mit Pegida. Seine Visite widersprach zwar der SPD-Linie, die Generalsekretärin Yasmin Fahimi zuvor ausführlich formuliert hatte, aber das kann den Vorsitzenden dieser Partei nicht verunsichern.

Das war schon ein denkwürdiger Auftritt von Sigmar Gabriel. Offenbar nicht ausgelastet von seiner Kur in der Sächsischen Schweiz, sauste er mal eben in die sächsische Landeszentrale für politische Bildung, um sich unters Pegida-Volk zu mischen: Nur mal zuhören und auch ein paar Fragen beantworten. Diese Visite widersprach zwar der SPD-Linie, die Generalsekretärin Yasmin Fahimi zuvor ausführlich formuliert hatte, aber das kann den Vorsitzenden dieser Partei nicht verunsichern.

In der „taz“ sieht Stefan Reinecke den Auftritt so: Er „hilft, die larmoyante Pegida-Propaganda zu durchkreuzen, dass man ‚das Volk‘ verkörpert, dem mal wieder niemand zuhört. Reden ist in einer zivilen Gesellschaft ein Zeichen von Stärke, nicht von Schwäche. Ein Kollateralschaden von Gabriels Spontanvisite ist, dass (...) Yasmin Fahimi ... nun wirkt wie ein dummes Huhn. (...) Konzept geht anders.“

Für solch eine differenzierte Betrachtung braucht die „FAZ“ gleich zwei Kollegen. So lobt Rainer Blasius den SPD-Chef in seinem Kommentar als mutig. Gabriel setze „mit seinem Dresden-Besuch ein Zeichen, stellte sich also hinter den in die Kritik geratenen Leiter der Landeszentrale, Frank Richter, der sich als Schlichter versteht und den unzufriedenen, aber nicht rechtsextremistischen Teil der Pegida-Mitläufer mit Ansprache und mit Argumenten auf den Boden demokratischer Tatsachen zurückholen will“.

Im Feuilleton zeigt sich Blasius’ Kollege Christian Geyer fassungslos. Skrupel habe Gabriel zu entschärfen versucht, indem „er sich mitten in der von Kameras ausgeleuchteten Öffentlichkeit zum Privatmann erklärte. Als habe er die Pegida-Anhänger nur mal eben von der Kita abholen wollen. Was hat der Privatmann erreicht? Er hat, staatsbürgerlich korrekt, Verständnis für alle Formen politischer Partizipation gezeigt, ein Verständnis, das freilich – in dem gönnerhaften Ton, den Gabriel dabei anschlug – knapp an der Parteienschelte vorbeischrammte: Er würde ‚der Politik‘ raten, so der SPD-Chef in Pegida-Bierlaune, ‚nicht zu glauben, dass die Elitendialoge, die wir in der Politik und in der Wirtschaft führen, dass die identisch sind mit dem Alltagsdialog von Menschen‘. War das nötig? Pauschale Systemkritik zu üben, um für einen effektvoll kalkulierten Moment die Gunst des Pegida-Publikums zu gewinnen?“

Bitter sei Gabriels Verhalten für die vielen Menschen in Dresden und anderswo, die vielleicht der SPD verbunden seien und gegen Pegida demonstrierten, meint Kurt Kister in der „Süddeutschen Zeitung“. „Sie wollen ein Zeichen setzen: Die Pegidisten sind nicht das Volk, sondern eine laute Minderheit, in der manche Positionen vertreten werden, gegen die gerade die Sozialdemokratie seit ihrer Gründung gekämpft hat.“ Der SPD-Chef sollte lieber ihnen zuhören.

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