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Bevor sich der Gesetzgeber daran machte, die Umwelt zu schützen, schützte er die Konsumenten: Kosten- und formlos können sie Onlinekäufe rückgängig machen.

Kommentar zu neuem Gesetzentwurf

Retouren im Online-Handel: Verschwendung darf ruhig etwas kosten

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Letztlich entscheiden Konsumenten, was aus den Waren wird, die sie kaufen. Der Kommentar.

Sollte es wirklich so schnell gegangen sein? Erst im vergangenen Sommer entdeckte die Republik das – nicht ganz neue – Problem der Retouren im Online-Handel mit den daraus folgenden Müllbergen. Und gut ein halbes Jahr später gibt es einen Gesetzentwurf, der auch gleich Einwegbecher und Zigarettenkippen von den Straßen verbannen soll.

Nein, so schnell ist es nicht gegangen. Denn das Problem ist längst nicht gelöst, der jetzt vorgelegte Entwurf in entscheidenden Teilen nicht mehr als eine Ideenskizze. So wünschenswert es ist, dass Online-Händler Retouren sinnvoll verwerten: Wer legt fest, was mit Preisabschlag noch verkäuflich wäre? Wie muss der Händler für diese Produkte haften, die jedenfalls nicht mehr Neuware sind?

Am Ende beißen sich mehrere ehrenwerte Anliegen. Denn bevor sich der Gesetzgeber daran machte, die Umwelt zu schützen, schützte er die Konsumenten: Kosten- und formlos können sie Online-Käufe rückgängig machen. Und die Produkthaftung der Hersteller und Händler wurde ausgedehnt. Beides ist ein Fortschritt für den Verbraucherschutz, machte die Retouren als Massenphänomen aber erst möglich.

Wie kann man der Sache also beikommen? Es sind auch praktikable Ansätze im Gesetzentwurf, zum Beispiel die Beteiligung der Becherhersteller und -vertreiber an städtischen Reinigungskosten. Die werden zwar auf die Kunden abgewälzt, aber darüber sollte sich niemand beklagen, dem Ressourcenverschwendung grundsätzlich gegen den Strich geht. Denn letztlich entscheiden Konsumenten, was aus den Waren wird, die sie kaufen. Verschwendung darf getrost etwas kosten.

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