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Momentan kann man - dank des niedrigen Ölpreises - besonders günstig tanken.
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Momentan kann man - dank des niedrigen Ölpreises - besonders günstig tanken.

Ölpreis

Der Preis der Energie

Der niedrige Ölpreis freut Unternehmen und Konsumenten, doch für den Schutz der Umwelt ist er fatal. Ein Gastbeitrag.

Von Matthias Ruchser

Zu Beginn des neuen Jahres hält der Trend fallender Rohöl-, Sprit- und Gaspreise weiter an. Der Preis für ein Barrel (159 Liter) Rohöl der Nordseesorte Brent sank zuletzt bis auf unter 47 US-Dollar. Wer nun glaubt, die fallenden Ölpreise sind nur ein Resultat des Überangebots in Kombination mit mangelnder Nachfrage, der irrt. Der Hauptgrund ist das strategische Vorgehen der Vereinigten Staaten und seines engsten arabischen Verbündeten Saudi-Arabien. Ihr gemeinsames Ziel ist die Schwächung unliebsamer Konkurrenten, namentlich von Russland im Fall der USA sowie des Irans durch Saudi-Arabien. Die Staatshaushalte dieser Länder sind massiv von ihren Öl- und Gaseinnahmen abhängig, und die fallenden Rohstoffpreise bedeuten dramatische Mindereinnahmen. Vor allem Russland ist doppelt belastet wegen der westlichen Wirtschaftssanktionen gegen das Putin-Regime.

Mittel- bis langfristig werden jedoch auch Saudi-Arabien und die USA wirtschaftlichen Schaden nehmen. So benötigt Saudi-Arabien einen durchschnittlichen Rohölpreis von 85 US-Dollar pro Barrel, um Geld zu verdienen. Noch härter wird es die USA treffen, denn der durch Fracking und Ölsande hervorgerufene Ölboom in Nordamerika ist teuer und die Förderung lohnt sich nur bei hohen Rohölpreisen. Eine der spannenden energiewirtschaftlichen Fragen 2015 wird also sein, wem zuerst die Luft ausgeht: Russland mit seiner drohenden Staatspleite oder den USA mit unrentablen Fracking-Vorhaben? Davon wird abhängen, wann die Ölpreise wieder steigen. Dass sie wieder steigen werden, ist sicher. Deshalb bunkern Händler schon heute Millionen Barrel Rohöl in Supertankern auf See in Erwartung höherer Preise.

Doch bis dahin freuen sich die Unternehmen und die Konsumenten über billige fossile Energien. Nicht jedoch die Umwelt, denn billiges Rohöl und Erdgas führen zu einem höheren Energieverbrauch und damit zu höheren Treibhausgas-Emissionen. Die mahnenden Stimmen vor einer zu großen Energieimportabhängigkeit von Russland in Folge der Ukraine-Russland-Krise sind mit den stetig fallenden Rohöl- und Gaspreisen so gut wie verstummt. Doch an der Situation hat sich nichts verändert. Deutschlands wichtigster Lieferant fossiler Energien ist und bleibt Russland mit 38 Prozent des Erdgasaufkommens, knapp 35 Prozent der Rohölimporte und 27 Prozent der Steinkohleneinfuhren im Jahr 2013. Für Gesamteuropa sieht es ähnlich aus: 42 Prozent des Erdgasaufkommens und 33 Prozent der Rohölimporte kamen 2013 aus Russland. Insgesamt importierten die Länder der Europäischen Union 53 Prozent ihres Energiebedarfs aus Nicht-EU-Ländern.

Zu kurz gedacht

Die Lektion, die die Politik aus dieser Abhängigkeit lernen sollte, lautet nicht, die Bezugsquellen fossiler Primärenergieträger zu diversifizieren, indem man sich in neue Abhängigkeiten von nicht minder autokratischen Ländern wie Iran, Katar, Oman, den Vereinigten Arabischen Emiraten oder der Kaukasus-Region begibt.

Der bisherige Fokus der Energiewende auf die „Stromwende“ und die Begrenzung der Strompreise ist zu kurz gedacht. Die Hälfte des Endenergieverbrauchs in Deutschland entfällt ausschließlich auf die Raumwärme. Während im Stromsektor die erneuerbaren Energien im Jahr 2014 mit fast 26 Prozent erstmals der wichtigste Energieträger bei der Bruttostromerzeugung waren, sind Raumwärme, industrielle Prozesswärme und Verkehr weiterhin von den fossilen Energieträgern Erdöl und Erdgas geprägt. Im Wärme- und Transportsektor liegen sehr große, bisher ungenutzte Potenziale für die Steigerung der Energieeffizienz und den Ausbau der erneuerbaren Energien.

Neben dem Ausbau der Übertragungsnetze gibt es deshalb 2015 zwei wichtige energiepolitische Herausforderungen. Der Wärme- und Transportsektor muss in den Fokus der Energiewende rücken und die Energiewende insgesamt muss beschleunigt werden. Mit der Novellierung des Erneuerbare-Energien-Gesetzes im Juni 2014 hat die Bundesregierung der „Stromwende“ jedoch mit den Ausbaukorridoren und dem „atmenden Deckel“ einen Bärendienst erwiesen, denn in der Vergangenheit war der Zubau der erneuerbaren Energien im Stromsektor immer höher als die vorhergesehenen Mengenziele.

Dominierten 2014 in der öffentlichen Auseinandersetzung noch Fragen wie, „Sind die Energiepreise zu hoch?“ – sie sind es nicht – und „Ist die Energiewende bezahlbar?“ – sie ist es, werden diese Fragen 2015 keine große Rolle mehr spielen. Vor allem die Gegner der Energiewende hatten sie thematisiert. Doch spätestens als RWE im März 2014 bekannt geben musste, dass im Jahr 2013 erstmals in der Unternehmensgeschichte ein Nettoverlust von 2,8 Milliarden Euro zu verbuchen war, ist auch dem letzten konventionell geprägten Energiewirtschaftler klar geworden, dass das bisherige Geschäftsmodell der vier großen deutschen Energieversorger – E.ON, RWE, EnBW und Vattenfall – nicht mehr funktioniert.

Dies hat auch E.ON-Chef Johannes Teyssen erkannt und überraschte Politik und Aktionäre im November 2014 mit der Nachricht, sich zukünftig auf erneuerbare Energien, Energienetze und Kundenlösungen zu konzentrieren. Ausgerechnet Teyssen, einer der vehementesten Apologeten der fossilen und nuklearen Energiewirtschaft. Doch die Unternehmenszahlen und Bilanzen lügen nicht. Deshalb wird es 2015 spannend zu beobachten sein, welches der vier großen Energieversorgungsunternehmen sein Geschäftsmodell am schnellsten und erfolgreichsten auf die Energiewende ausrichten wird.

Matthias Ruchser leitet die Stabsstelle Kommunikation des Deutschen Instituts für Entwicklungspolitik (DIE).

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