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Auslese

Die Pose der Unternehmerin

  • Harry Nutt
    VonHarry Nutt
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Zur Selbstdarstellung von Yahoo-Chefin Mayer.

Marissa Ann Mayer ist eine amerikanische Informatikerin und Managerin, seit Juli 2012 ist sie Vorstandsvorsitzende des Internet-Konzerns Yahoo. Für die jüngste Ausgabe des Lifestyle-Magazins Vogue ließ sich die junge Unternehmerin in auffälliger Pose fotografieren. Seither fragen andere Medien, ob frau so etwas überhaupt darf.

Bevor Sophie Albers auf Stern.de ihre Erlaubnis erteilt, betreibt sie eine genaue Bildanalyse. „Mayer liegt in einem blauen Etui-Kleid mit Highheels verkehrt herum auf einer Gartenliege. Arm hinterm Kopf, Knie zusammen, Mund zu, Blick skeptisch und in einer Hand ein iPad, das ihr vergrößertes Gesicht zeigt. Oh, und ihre blonden mittellangen Haare fließen herum.“ Zur Entlastung der sich lasziv räkelnden Spitzenmanagerin führt Albers feministisch klingende Aussagen der Abgebildeten an. Leidenschaft für das, was man tut, neutralisiere Geschlechterunterschiede, habe Mayer einmal gesagt. „Also, was bleibt zu sagen über Mayers ‚gewagten‘ Auftritt? Ganz einfach: Wäre Mayer ein erfolgreicher Mann, der ‚maskulin‘ im Playboy posiert, hätte sich irgendjemand überhaupt zu dem Foto geäußert? Eben. Ausatmen.“

Das will Angelika Slavik in der „Süddeutschen Zeitung“ so allerdings nicht durchgehen lassen und ergänzt eine kleine Kulturgeschichte des branchenfremden Posierens. „Mayer ist nicht die erste Führungskraft, die der eigenen Eitelkeit nachgegeben hat. Der damalige Infineon-Chef Ulrich Schumacher etwa fuhr einst mit einem Porsche vor der Frankfurter Börse vor, gekleidet in einen Overall, wie man ihn von Formel-1-Fahrern kennt. Richard Branson, der Gründer des britischen Mischkonzerns Virgin, ließ sich beim Kite-Surfen fotografieren – während sich ein nacktes Mädchen an seinem Rücken festklammerte. Und Michael O’Leary, Chef der Fluglinie Ryan Air, posierte in Badehose zwischen halbnackten Stewardessen. Möchte man als Reisender sein Leben in den Händen dieses Mannes wissen?“ Warum tun erfolgreiche Manager so etwas überhaupt?, fragt Slavik und denkt sich die Antwort dann so: „Die Zeiten sind hektisch und sie sind, vielleicht auch deshalb, wahnsinnig oberflächlich. Unternehmen wie Menschen müssen deshalb kurz und prägnant deutlich machen, wer sie sind und wofür sie stehen.“

Was erlaubt ist, muss noch lange nicht richtig sein, findet Slavik. „Die Trennlinie zwischen privater und beruflicher Selbstdarstellung gilt nicht nur für Führungskräfte, sondern für alle, die in irgendeiner Form im Berufsleben stehen. Wer für seine geistige Arbeit geschätzt werden will, kann nicht in Netzstrümpfen ins Büro kommen. Nicht, weil man in Netzstrümpfen nicht denken könnte. Sondern weil kaum jemand auf die Idee kommen wird, dass es zu den Netzstrümpfen auch noch einen brillanten Kopf geben könnte. Das mag nicht gerecht sein, aber es ist zumindest für alle gleich.“

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